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von Hans-Peter Bröckerhoff
veröffentlicht am 04.04.2018

Auf ein Glas mit… Unter diesem Titel stellt E-HEALTH-COM-Herausgeber Hans-Peter Bröckerhoff interessante Unternehmer und Manager der eHealth-Branche vor. Die Beiträge für diese Reihe entstehen, anders als beim normalen Interview oder Porträt, auf der Basis eines ausführlichen Gesprächs in entspannter, nicht vom alltäglichen Termindruck gekennzeichneter Atmosphäre – eben bei einem Glas Wein oder Bier und vielleicht auch einem guten Essen. Denn so lässt sich mehr von dem Menschen, seinem Denken und Tun erfahren, den es vorzustellen gilt. Bei „Auf ein Glas mit ...“ geht es nicht unbedingt um ein aktuelles Thema oder ein bestimmtes Projekt. Es geht vielmehr um die Bandbreite der Aktivitäten und Meinungen, die den Gesprächspartner charakterisieren – und natürlich auch um den Menschen selbst.

Lesedauer des gesamten Beitrags ca. 8 Minuten. Lieber später in Ruhe lesen? Laden Sie HIER die PDF-Version herunter.


Der Rhein ist über die Ufer getreten. Er hat die Rheinwiesen in Oberkassel völlig überflutet. Was für ein Anblick bei der Fahrt über die Rheinknie-Brücke zu meinem Gespräch. Schön, wieder in Düsseldorf zu sein. Heimatgefühle kommen auf. Schließlich bin ich nicht weit von hier am nördlichen Niederrhein aufgewachsen.

Ich treffe meinen Gesprächspartner, Dr. Thomas Berger, Geschäftsführer von der Cerner Health Services Deutschland GmbH, in der „Osteria Saitta am Nussbaum“ in Düsseldorf-Niederkassel. Er habe dieses Restaurant ausgesucht, sagt er, weil es quasi auf seinem Heimweg von einem Termin in Essen liege und weil er wisse, dass man hier sehr gut essen könne, da er ganz in der Nähe viele Jahre bei Fujifilm Deutschland als General-Manager Healthcare gearbeitet habe. Die Speisekarte bestätigt die Worte meines Gegenübers. Alles klingt sehr gut. Wir wählen Jakobsmuschel bzw. eine kleine Portion Tagliolini mit Trüffeln als Vorspeise und beide ein Kalbssteak mit Pistazienkruste als Hauptgericht, dazu einen Chianti Classico vom Weingut Antinori.

Neuorientierung von der Klinik in die E-Health-Welt

Dann kramen wir zunächst ein wenig in unseren Erinnerungen, denn wir haben beide den Eindruck, dass wir schon vor sehr langer Zeit einmal miteinander zu tun hatten. Es muss im Jahr 2000 gewesen sein, finden wir heraus. Berger arbeitete damals in einem Start-up, das unter anderem einen Gesundheits-TV-Kanal entwickelte. Und ich war als Verlagsleiter und Chefredakteur für das AOK-Mitgliedermagazin mit seiner Zwanzigmillionen-Auflage verantwortlich. Wir sondierten die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit, die allerdings nicht zustande kam, weil sich eigenständige Gesundheits-TV-Kanäle schließlich doch nicht etablieren konnten.

Zu der Zeit sei es, schaut mein Gesprächspartner zurück, noch gar nicht so lange her gewesen, dass er seine Arbeit als Klinikarzt beendet habe. Nach seinem Medizinstudium hier in Düsseldorf habe er fünf Jahre lang in verschiedenen Krankenhäusern gearbeitet, unter anderem in Krefeld, wo er auch aufgewachsen sei und heute noch wohne. Auch ein Niederrheiner, werfe ich ein, und wir schweifen für einen Moment ab und reden über unsere gemeinsame Heimat und über so berühmte Niederrheiner wie Hanns Dieter Hüsch und Joseph Beuys.

Nachdem wir den Wein probiert und für sehr gut befunden haben, kommt Berger wieder auf seinen Werdegang zurück. „Ich habe als Chirurg gearbeitet und mich dabei von Anfang an schon stark für die computergestützten Verfahren in der Chirurgie interessiert.“ In seiner letzten klinischen Station, einer sehr zukunftsorientierten Privatklinik in Bayern, sei er dann erstmals mit der für ihn sehr spannenden eHealth-Thematik in Berührung gekommen. Da es damals noch einen Ärzteüberschuss gab, habe er, wie auch andere Kollegen, begonnen, über eine außerklinische Zukunft nachzudenken. Er sei dann schließlich zu ThyssenKrupp Health Care Services gegangen, wo er sich mit für ihn hochinteressanten Themen beschäftigt habe, wie etwa mit der digitalen Bildgebung, der Telematik und der Tele-Archivierung. Dabei habe er unter anderem persönlich bei der Gründung des Zentrums für Telematik und Telemedizin, ZTG, in Krefeld mitgewirkt, da sein Arbeitgeber damals einer der Gründungsgesellschafter war. „Manchmal“, fügt er lachend hinzu, „fühle ich mich als eine Art Telematik-Dinosaurier, wenn ich auf diese Zeit zurückblicke.“

In der neuen Berufswelt sei ihm allerdings schnell klar geworden, dass es gut sei, zusätzlich zu seiner medizinischen, weitere Qualifikationen zu erwerben. Er habe deshalb noch Medizinische Informatik und Betriebswirtschaft studiert und auch noch einen Abschluss als Gesundheitsökonom draufgesetzt. Das habe sich als sehr sinnvoll erwiesen für seinen weiteren beruflichen Weg, der ihn über verschiedene Stationen vor einem Jahr schließlich zu Cerner, also zur klassischen Health-IT, geführt habe.

Auf die Frage, wo er sein Büro habe, antwortet Berger: „Ich sitze in Berlin, in den traditionsreichen früheren Siemens-Räumlichkeiten, wo man noch per Paternoster von einem Stockwerk ins andere fährt. Das ist zwar weit weg von Krefeld. Aber da meine Frau und ich zwischendurch schon viele Jahre in Berlin gewohnt und dort noch viele Freunde haben und ich auch oft unterwegs bin, an anderen Cerner-Standorten oder bei Kunden, funktioniert das mit einer kleinen Wohnung in Berlin und Pendeln recht gut.“

Die komplexe Thematik Digitalisierung braucht den Dialog

Apropos Siemens. Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass Cerner die Health-IT-Sparte von Siemens gekauft und eingegliedert hat. Wie wachsen denn die beiden Bereiche zusammen? „Es ist“, geht mein Gegenüber auf die Frage ein, „noch viel Siemens-DNA in der Organisation. Aber zugleich entwickelt sich etwas Neues, Gemeinsames. Wir sind in einer Phase des gegenseitigen Verstehens.“ Die Komplexität des deutschen Gesundheits-IT-Marktes mit seinen vielen Regulierungen und seiner im internationalen Vergleich niedrigen Preisstruktur und geringen Investitionsbereitschaft, erklärt er, machten den deutschen Markt, von den USA aus gesehen, schon zu einem besonderen, teils auch schwierigen Markt. Aber das schmälere nicht die Bedeutung des deutschen Marktes, der schließlich einer der größten Auslandsmärkte Cerners sei. Außerdem gingen von Deutschland auch Impulse für den internationalen Markt aus, so werde die in Deutschland, in Kooperation mit SAP, entwickelte und vermarktete Produktlinie i.s.h.med künftig neben Millennium als zweite Produktlinie auch international etabliert.

Während wir uns der Vorspeise widmen, komme ich auf die von meinem Gegenüber erwähnte geringe Investitionsbereitschaft in Deutschland zurück und führe an, dass man heute zunehmend hört, dass IT auch in den deutschen Krankenhäusern immer mehr als Investition und nicht mehr so sehr als lästiger Kostenblock gesehen wird und die Investitionsbereitschaft steigt. Das nehme er durchaus auch so wahr, sagt Berger, aber das internationale Gefälle bleibe dennoch bestehen. Und er fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Wir sind ja über die Jahre demütig und geduldig geworden und freuen uns auch schon, wenn es endlich in die richtige Richtung geht.“ Außerdem gehe es in Sachen Investitionsbereitschaft nicht nur um die Krankenhäuser selbst, sondern auch um die öffentlichen Investitionen und Förderungen. Wenn man betrachte, wie viel man in den USA in den letzten Jahren im Bereich Digitalisierung des Gesundheitssektors getan habe, werde der Nachholbedarf in Deutschland noch deutlicher. Neben Obamacare hätten auch viele andere Maßnahmen wie der HITECH Act den Digitalisierungs- und Vernetzungsgrad dort deutlich nach oben gebracht.

Wegen dieser großen Bedeutung von Politik und Infrastruktur sei, betont mein Gegenüber, für Cerner auch die Diskussion mit der Politik und den gesellschaftlichen Institutionen wichtig. Es gehe um die Motivation der Player, die Rahmenbedingungen und eine aktive Verbesserung der Gesundheitsversorgung. Diese komplexe Thematik brauche den Dialog. Daran könnten sich auch einzelne Unternehmen beteiligen, aber diesen würden oft singuläre Geschäftsinteressen vorgeworfen. Vor diesem Hintergrund sei der gemeinsame Auftritt als Verband besonders wichtig, um die Sicht der Industrie in den Dialog einzubringen. Cerner engagiere sich deshalb stark im Branchenverband bvitg, aber auch im Bundesverband Managed Care, BMC.

Wir wenden uns dem Thema Innovationen in der Health IT zu. Dass sich diese immer stärker auf den klinischen, ärztlichen Bereich fokussieren, freut meinen Gesprächspartner sehr. „Das spricht mir aus dem Herzen“, unterstreicht er, „nicht nur weil Cerner hier sehr aktiv die Entwicklung mit vorantreibt, sondern auch weil ich selbst Arzt bin und bleibe.“ Besonders spannend sei es, fährt er fort, klinische Daten so zusammenzuführen, dass Vorhersagen und Erkenntnisse gewonnen würden, die die ärztliche Entscheidung unterstützen könnten oder ein früheres Eingreifen etwa bei einer Sepsis oder anderen dramatischen Patientenverläufen ermöglichten. „Eine der großen Fragen“, fügt er noch hinzu, „an der wir zurzeit arbeiten, ist die, wie man diese Entscheidungsunterstützung am besten in die klinischen Abläufe integriert.“ Dafür müssten datentechnische und organisatorische Voraussetzungen geschaffen und auch die Patienten eingebunden werden.

Auch Daten aus persönlichen Devices der Patienten müssten, unterstreicht Berger, in die klinische Datenverarbeitung einbezogen werden können. Das setze zunächst voraus, dass offen über standardisierte Anwendungen kommuniziert werden könne, wofür Cerner mit seiner Open Developer Platform sorge. „Dass wir auf diesem Feld in den USA“, fügt er an, „mit Apple kooperieren, ging hier durch die Presse. Dass Cerner letztes Jahr allen US-Bürgern eine datenkompatible elektronische Gesundheitsakte angeboten hat, weiß hier allerdings fast niemand.“ Dabei sei, ist ihm wichtig zu bemerken, der Bürger beziehungsweise Patient bei diesen Akten absolut Herr über seine Daten. Cerner nutze die Daten nicht für eigene Zwecke.

Die Musik ist ein Lebenselixier und macht den Kopf frei

Diese Bemerkung führt uns in einen langen Diskurs über politische, ethische und philosophische Fragen im Zusammenhang mit der zunehmenden Digitalisierung und damit weit über das Thema Health IT hinaus. Da mittlerweile das Hauptgericht auf dem Tisch steht, lassen wir den Exkurs gerne zu. Wir reden über Sinn und Grenzen von Datenschutz, über Datenmissbrauch und Demokratiebedrohung, über die Fragen, wie weit die Menschen berechtigt sind, auf den eigenen Körper und Geist verändernd Einfluss zu nehmen, und wieso Science-Fiction heute oft so düster und pessimistisch daherkommt und so wenig die Möglichkeiten, die Zukunft positiv zu gestalten, behandelt. Es entwickelt sich ein äußerst reger Gedankenaustausch, der zeigt, dass mit diesen Themen wohl bei uns beiden ein Nerv getroffen worden ist, und der uns ein wenig die Zeit vergessen lässt.

So ist es schon recht spät, als ich zu meiner Standardfrage nach dem Ausgleich zum oft stressigen Manager-Alltag komme. Spontan nennt Berger zwei Faktoren: „Erstens meine Frau und meine Familie und zweitens die Musik.“ Er spiele, geht er auf seine Musikleidenschaft ein, seit dem zehnten Lebensjahr Gitarre und sei in seinem Leben schon oft auf der Bühne gestanden. Es habe sogar einmal einen Punkt in seinem Leben gegeben, an dem es hieß:  Musik oder Medizin! Er lacht: „Sie können sich vorstellen, was meine Eltern damals präferierten. Aber ich habe meine Entscheidung nie bereut. Denn die Musik ist immer ein enger Begleiter geblieben. Sie macht mir den Kopf frei, ist so etwas wie ein Lebenselixier für mich.“ Er spiele Klassik, Jazz, Bossa nova, Rock, Folk, möge eigentlich alle Musikrichtungen, erklärt er und fügt schmunzelnd hinzu: außer deutsche Schlagermusik. Er trete auch heute noch ab und zu mit Bands auf, was er, da er es ja nicht professionell mache, ganz gut mit dem Berufsleben vereinen könne. So spiele er unter anderem im „Rotary Jazztett“, das immer wieder auch Charity-Konzerte veranstalte. Aktuell sei zudem, pünktlich zum 40-jährigen Bandjubiläum von „The Police“, eine Police Coverband im Aufbau.

Wir reden noch eine Weile über den Wert solcher außerberuflichen Leidenschaften wie eben der Musik. Dann nimmt Berger mich in seinem Wagen bis zu meinem Hotel mit, das so nah am Rhein liegt, dass ich hier den Fluss riechen kann – wie früher manchmal von meinem Kinderzimmer aus. Und da ist es wieder, das nostalgische Gefühl von Heimat.

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