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Dem Stellenwert der IT gerecht werden

von Norbert Neumann
veröffentlicht am 03.12.2018

Warum Krankenhäuser lieber heute als morgen über einen Chief Digital Officer nachdenken sollten

Die IT im Gesundheitswesen steht an der Schwelle zu einer neuen, rasanten Entwicklung: Smarte Systeme mit intelligenten Anwendungen stellen den nächsten Schritt in der Evolution der Healthcare-IT dar. Die digitalen Infrastrukturen sind nicht mehr nur länger Informationsspeicher und Kommunikationsnetzwerke, sondern werden in naher Zukunft neues Wissen aus bestehenden Informationen generieren und somit zu einer Art „digitalem Arztassistenten“ werden. Man braucht wenig Fantasie um zu erkennen, dass – insbesondere unter dem Aspekt der zunehmenden Vernetzung von IT und Medizintechnik – virtuelle Intelligenz eine immer größere Rolle bei Diagnostik und Therapie von Erkrankungen spielen wird.

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Die IT im Gesundheitswesen steht an der Schwelle zu einer neuen, rasanten Entwicklung: Smarte Systeme mit intelligenten Anwendungen stellen den nächsten Schritt in der Evolution der Healthcare-IT dar. Die digitalen Infrastrukturen sind nicht mehr nur länger Informationsspeicher und Kommunikationsnetzwerke, sondern werden in naher Zukunft neues Wissen aus bestehenden Informationen generieren und somit zu einer Art „digitalem Arztassistenten“ werden. Man braucht wenig Fantasie um zu erkennen, dass – insbesondere unter dem Aspekt der zunehmenden Vernetzung von IT und Medizintechnik – virtuelle Intelligenz eine immer größere Rolle bei Diagnostik und Therapie von Erkrankungen spielen wird.

Bilden die derzeitigen Organisationsstrukturen den Stellenwert der IT ab?

Diese nicht mehr aufzuhaltende technische Entwicklung erfordert aber auch ein Nachdenken darüber, ob die bisherigen Organisationsstrukturen von IT und Medizintechnik in Krankenhäusern so noch zeitgemäß bzw. zukunftsfähig sind. In den letzten Jahren gab es diesbezüglich zwei wesentliche Entwicklungen: Zum einen wandelten sich IT-Leiter von rein technischen Dienstleistern zu Prozessmanagern, die medizinische und administrative Arbeitsabläufe im Krankenhaus und IT-Anwendungen passgenau miteinander verknüpfen. Zum anderen werden die bisher getrennten Bereiche IT und Medizintechnik in immer mehr Krankenhäusern zu einheitlichen Abteilungen verschmolzen. Diese Veränderungen spiegeln die bislang erfolgte Entwicklung der Healthcare-IT wider, nämlich die Prozessunterstützung und Vernetzung durch digitale Anwendungen.

Die absehbare und zukünftige Rolle der IT im Krankenhaus und darüber hinaus erfordert aber einen ganz anderen organisatorischen Ansatz. Die Digitalisierung erfasst mittlerweile jeden Winkel des Gesundheitswesens und hat insbesondere für die großen Anbieter – wie z. B. Krankenhäuser – eine zunehmend strategische Bedeutung. Große Krankenhausketten haben das bereits erkannt und die IT-Organisation zur Chefsache gemacht, indem sie auf Vorstandsebene einen Chief Digital Officer (CDO) einsetzen. Seine Aufgabe ist es, die Digitalisierung im Unternehmen strategisch zu planen und zu steuern. Denn die zunehmende Durchdringung verschiedener Bereiche mit IT erfordert ein zunehmendes Maß an strategischer Planung und Koordination. Das beginnt bei unterschiedlichen Anschaffungs- und Entwicklungszyklen und endet noch lange nicht bei der Koordination und Vereinheitlichung übergreifender Prozesse.

Auch mittlere und kleine Häuser werden von dieser Entwicklung nicht verschont bleiben. Gerade in Krankenhäusern mit knapp besetzten IT-Abteilungen zeigt sich deutlich, dass ein fehlender strategischer Ansatz bei der IT-Planung schnell zu einer mangelnden Wettbewerbsfähigkeit führt. Und dass eine solche Planung nicht durch einen IT-Leiter erfolgen kann, der gleichzeitig noch den Routinebetrieb sicherstellen und Projekte umsetzen muss.

Der CDO: Notwendigkeit, nicht Spielerei

Bislang gehört ein CDO nicht nur im Krankenhaus, sondern auch in anderen Wirtschaftsunternehmen hierzulande eher noch zu den Raritäten. Gleichwohl ist die Einführung einer solchen Stelle auf C-Level- Ebene weder Selbstzweck noch Spielerei, sondern in einer sich schnell entwickelnden Welt eine schlichte Notwendigkeit. Ohne ihn wird eine vorausschauende, an den Unternehmenszielen orientierte, strategische Planung der digitalen Infrastruktur in naher Zukunft nicht möglich sein. Die Umsetzung dieser Planung wiederum hat direkten Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg. Denn nur mit einer einheitlich digitalen Infrastruktur sowie einer optimalen Koordination der Abläufe lassen sich unnötige Reibungsverluste vermeiden. Hinzu kommt, dass unter dem Aspekt der zunehmenden Intelligenz von IT-Infrastrukturen diese auch entsprechend ausgebaut sein müssen, um auf eine demgemäß breite und einheitliche Datenbasis zurückgreifen zu können. Insofern müssen deren Planung und Koordination eng an die strategische Ausrichtung des Krankenhauses angelehnt sein und erfordern einen umfassenden Blick auf das große Ganze – „von oben“. Außer vielleicht in eher familiär geführten sehr kleinen Häusern wird ein klassischer IT-Leiter alleine aufgrund seiner bisherigen Arbeitsauslastung wie bereits erwähnt nicht in der Lage sein, diese zusätzliche Verpflichtung auch noch zu übernehmen – zumal seine originären Aufgaben eher taktischer Natur sind.

Schon jetzt nach geeignetem Personal suchen

Denn die bisher übliche Verfahrensweise, dass die Geschäftsführung bzw. der Vorstand strategische Entscheidungen treffen und den IT-Leiter ggf. als technischen Berater konsultieren, wird aufgrund der zunehmenden Durchdringung und der damit einhergehenden Komplexität der digitalen Infrastruktur nicht mehr funktionieren. Der CDO muss neben einer hohen fachlichen Kompetenz im Bereich IT auch ein fundiertes Wissen im Bereich strategischer Unternehmensführung besitzen. Er ist dafür verantwortlich, sein technisches Fachwissen in die grundlegenden Unternehmensentscheidungen einfließen zu lassen und die mittel- bis langfristige Planung der digitalen Infrastruktur durchzuführen. Neben der kaufmännischen und der medizinischen Leitung bildet er zukünftig eine zusätzliche Säule der Krankenhausführung. Umso mehr, je höher der Ausbaugrad und dementsprechend die Relevanz der digitalen Infrastruktur im und für den Krankenhausbetrieb sind.

Es liegt auf der Hand, dass derartige Spezialisten, die sowohl technische als auch unternehmerische Kompetenz besitzen, nicht leicht auf dem Arbeitsmarkt zu finden sind. Krankenhäuser und Verbünde sind also gut beraten, die Zeichen der Zeit zu erkennen und frühzeitig nach geeigneten Kandidaten zu suchen, bzw. ihr IT-Personal entsprechend zu qualifizieren. Nur dann wird der CDO seiner Verantwortung gerecht werden und dem Stellenwert der IT in einem modernen Gesundheitswesen entsprechend in der Leitungsebene agieren können, um so seinen Beitrag zu einem gesunden Unternehmen zu leisten.


Fotos: © fotolia