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von Norbert Neumann
veröffentlicht am 07.08.2017

Am Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster will man MetaKIS nicht mehr missen

Für die meisten Medizincontroller sind Prüfungen durch den MDK mehr als nur ein notwendiges Übel. Abgesehen vom Aufwand, den eine Prüfung mit sich bringt, reißen sie oft auch empfindliche Löcher in das Budget eines Krankenhauses. Daran ändern auch Maßnahmen wie die intensive Schulung von Kodierfachkräften oder die Aufwandspauschale nichts.Letzteres mussder MDK zahlen, wenn eine Prüfung ergibt, dass das Krankenhaus im Recht war.

Ekhard Wille allerdings sieht dieses Thema seit geraumer Zeit wesentlich gelassener. Er ist Leiter des Bereichs Medizincontrolling und Patientenadministration am Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster, einem Schwerpunktversorger mit 635 Betten in Schleswig- Holstein. Seit etwa zwei Jahren ist dort MetaKIS von Cerner im Einsatz und wird kontinuierlich ausgebaut. Seitdem haben nicht nur die MDK-Prüfungen an Schrecken verloren, sondern es werden im Vergleich zu vorher erhebliche Mehreinnahmen generiert. Zusätzlich konnte auch die Liquidität des Hauses deutlich verbessert werden.

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Deutliche Erlössteigerungen nach Einsatz von MetaKIS

„Obwohl wir MetaKIS noch nicht flächendeckend in der fallbegleitenden Kodierung im Einsatz haben, konnten wir durch gezielte Prüfungen unsere Erlöse massiv steigern“, berichtet Ekhard Wille. Genaue Zahlen will er aus verständlichen Gründen nicht nennen, aber er hat ein Beispiel parat, an dem sich die Auswirkung von MetaKIS gut erkennen lässt: „Wir hatten im letzten Jahr knapp 30 Beatmungsfälle weniger als eigentlich geplant. Das ist zwar eher ein Zeichen für weniger komplikative Behandlungsverläufe, aber hätte normalerweise ein ziemliches Loch in unsere Einnahmen schlagen müssen. Allerdings hat der zeitgleiche Ausbau von MetaKIS dazu geführt, dass unser CMI trotz allem stabil geblieben ist und wir diese Einnahmen ausgleichen konnten.“

Auch wenn – wie der Medizincontroller zugibt – der Einsatz der Software sicher nicht der einzige Faktor für diesen Erfolg war, hat MetaKIS doch einen erheblichen Anteil daran. „Ich kann das ja anhand unseres Berichtswesens nachvollziehen: Bei vielen Fällen, bei denen wir im Rahmen unserer herkömmlichen Kodierung davon ausgegangen waren, dass es sich um Überschreitungen der OGvD handeln würde, hat sich nach Kontrolle mit MetaKIS herausgestellt, dass in Wirklichkeit eine noch fehlende Kodierung die Eingruppierung in eine DRG mit höherem CMI-Wert verhindert hat, innerhalb derer der Patient im Rahmen der mVWD entlassen wurde.“

Diese klare Aussage kann Ekhard Wille vor allem auch deswegen treffen, weil bisher MetaKIS lediglich zur Überprüfung von Fällen herangezogen wurde, die von Kodierfachkräften auf herkömmliche Weise – also ohne fallbegleitenden Einsatz des Tools – verschlüsselt wurden. „Auf unsere Kodierfachleute lasse ich nichts kommen“, so der Leiter des Medizincontrollings. „Aber das DRG-System ist dermaßen komplexund lässt so viele Varianten offen, dass es schwierig ist, die Kodierung zu finden, die den Fall bestmöglich abbildet. Das gilt besonders für teure, komplizierte Fälle, die dann natürlich auch den CMI beeinflussen.“

Hohe Kodierqualität durch ein lernendes System

Ekhard Wille hat es sich zur Angewohnheit gemacht, die Abrechnungsfälle möglichst flächendeckend zu prüfen. Der erfahrene Medizincontroller ist selbst nach über einem Jahr Arbeit mit dem Tool immer wieder erstaunt, was das Werkzeug findet. „Eigentlich bräuchten wir jemanden, der den ganzen Tag mit MetaKIS spielt und die Fälle prüft.“ Da das Tool außerordentlich schnell arbeitet, ist der limitierende Faktor hier der Bediener und die Zeit, die er für Prüfungen erübrigen kann. Trotzdem wird Wille immer wieder fündig: „Wir prüfen hier vor allem die teuren, komplexen Fälle. Kommt es hier zu Auffälligkeiten, können wir mit MetaKIS gleich einen Hinweis an unsere Kodierfachkräfte generieren, damit sie zukünftig auf diese Konstellationen achten. Das ergibt dann in der Folge weniger Fehlkodierungen und damit mehr Erlöse, die uns ja auch zustehen.“

Dabei beschränkt sich der Lerneffekt nicht nur auf das Kodierpersonal, sondern auch auf das System selbst: Werden beispielsweise bei MDK-Prüfungen neue Auslegungen oder Regeln bekannt, können sie direkt als Prüfregel in MetaKIS eingepflegt werden. So werden teure Fehler schnell vermieden.

Mehr Einsatzmöglichkeiten, als man denkt

Ekhard Wille nutzt das Werkzeug mittlerweile auch für Zwecke, für die es eigentlich nicht gedacht ist: Als Lehrmittel bei der Einweisung von Pflege- und Kodierfachkräften in das DRG-System. „Im Unterricht suche ich einfach ein paar besonders interessante Fälle aus und demonstriere sie mit MetaKIS“, schmunzelt Wille. „Da das Tool nicht nur schnelle und einfache Simulationen zulässt, sondern auch die Zusammenhänge klar darstellt, kann ich so die Auswirkungen unterschiedlicher Kodierungen einfach und verständlich live darstellen. So verstehen die Teilnehmer wesentlich besser, wie wichtig die richtige Kodierung und vor allem die Dokumentation ist, als wenn ich nur etwas darüber erzählen oder lediglich die Änderung der DRG selbst zeigen würde.“ Aufgrund der schnellen Simulationsfähigkeiten hat MetaKIS darüber hinaus auch in die regelmäßigen Quartalsgespräche mit den Chefärzten Eingang gefunden: Auf diese Weise können beispielsweise die wahrscheinlichen finanziellen Auswirkungen von Portfolioveränderungen oder des Anbietens neuer bzw. des Streichens bestehender Leistungsangebote einfach dargestellt werden.

MDK-feste Fälle und höhere Liquidität

Und auch auf die eingangs erwähnten MDK-Prüfungen wirkt sich die Software mittlerweile aus: „Für uns sind Prüfungen mittlerweile zu einem Nullsummenspiel geworden. Die Fälle, die wir vorher mit MetaKIS geprüft haben, werden in der Regel vom MDK auch so akzeptiert – insbesondere, weil sie aufgrund der Hinweise, die die Software generiert, auch entsprechend gut dokumentiert sind. Die Aufwandspauschalen, die wir dadurch bekommen, machen mittlerweile eine ziemliche Summe aus.“ Nicht zuletzt um diesen Effekt noch zu steigern, wird die Softwarelösung mittlerweile auf die Stationen ausgerollt, damit die Kodierfachkräfte sie zum fallbegleitenden Kodieren nutzen und die Kodierqualität noch weiter steigern können. Auch hier erlebte Ekhard Wille eine angenehme Überraschung. „Wir hattenbefürchtet, dass dieser Roll-Out aufwändig sei und die Kodierprozesse verkomplizieren würde. Wir haben allerdings auf den Pilotstationen festgestellt, dass das genaue Gegenteil der Fall ist: Das Tool ist schnell installiert und so einfach zu bedienen, dass die Rechnungserstellung deutlich schneller erfolgen kann.“

Das hat auch Auswirkungen auf die Liquidität des Krankenhauses. „Bisher hatten wir fortlaufend etwa 2000 offene nicht fakturierte Fälle. Unser Ziel war es, diese bis Ende des Jahres auf etwa die Hälfte zu drücken. Durch neue Verfahrensanweisungen hinsichtlich des Aktenlaufes, aber auch durch MetaKIS, mit dem beim fallbegleitenden Kodieren die Kodierqualität deutlich angehoben und die interne Prüfung erheblich beschleunigt werden kann, liegen wir jetzt schon bei nur noch 700 offenen Fällen im Monat. Und das, obwohl viele unserer Stationen noch nicht mal auf fallbegleitendes Kodieren mit diesem Tool umgestellt sind. Von der Entlastung der Kodierfachkräfte ganz zu schweigen.“

Bei der Frage nach dem Return of Investment bei MetaKIS entfleucht dem sonst so zurückhaltenden Medizincontroller dann doch ein Lachen: „Die auf fünf Jahre gerechneten Kosten für MetaKIS haben wir schon jetzt mehrfach drin. Ich habe noch nie eine Investition gesehen, die sich nachweislich so schnell um ein Mehrfaches refinanziert hat.“ Und so wird Ekhard Wille MetaKIS schnellstmöglich auf den Stationen des Friedrich-Ebert-Krankenhauses ausrollen und vor allem weiterhin entspannt lächeln, wenn es um MDK-Prüfungen geht.

Das KIS als strategische Komponente

von Nikolaus Schrenk
21.09.2017
Nikolaus Schrenk ist Leiter des Vorstandsbereichs Governance Consulting an den Kliniken des Bezirks Oberbayern (kbo). Er verantwortet unter anderem die Bereiche Konzerndatenschutz, interne Revision, IT-Sicherheit, sowie Risikomanagement und berät das Management des Verbunds. Darüber hinaus ist er Vorstand des Berufsverbands der Datenschutzbeauftragten für Audits. In diesem Gastbeitrag erläutert er, warum IT-Entwicklung mehr als nur eine Notwendigkeit ist.