Skip to main content
Skip to main navigation
Skip to footer

von Norbert Neumann
veröffentlicht am 22.03.2019

Von der Digitalisierung im Gesundheitswesen profitiert nicht zuletzt auch die Pflege. In ihrer Rolle als unmittelbarster Kontakt zu den Patientinnen und Patienten kommt ihr eine wichtige Bedeutung zu. Der damit einhergehende Dokumentationsaufwand aber lässt sich händisch kaum mehr bewältigen. Im Universitätsklinikum Essen hat man das früh erkannt und eine Digitalisierungsstrategie initiiert.

„Bereits 2007 haben wir begonnen, uns zu überlegen, wie wir eine elektronische Dokumentation umsetzen können“, erzählt Markus Pätzold, Teamleitung elektr. Dokumentation am Universitätsklinikum Essen. Zusammen mit seinem Team hat er die Digitalisierung des Hauses vorangetrieben und zahlreiche IT-Projekte erfolgreich umgesetzt. „Die Komplexität der Prozesse und diese adäquat digital abzubilden, ist immer wieder eine Herausforderung“, sagt Pätzold. „Gerade in sensiblen Bereich wie der Medikation müssen bestimmte Anforderungen an die IT direkt mit dem Anbieter abgestimmt und umgesetzt werden.“ Das Universitätsklinikum arbeitet dazu mit Cerner zusammen und vertraut auf dessen Krankenhausinformationssystem (KIS) medico.

„Stand heute haben wir die elektronische Patientenakte bereits auf 53 Stationen ausgerollt“, erklärt Pätzold. „Das sorgt immer wieder für lustige Anekdoten von Mitarbeitern, die normalerweise auf einer ‚Papier-Station‘ arbeiten und dann auf einer Station mit digitaler Akte aushelfen. Die erste Frage, die ich dann immer höre ist: ‚Wann bekommen wir eigentlich die elektronische Akte?‘ Die Erkenntnis, dass IT den Arbeitsalltag deutlich erleichtern kann, ist eigentlich immer da. Bewusst wird das aber erst, wenn die Mitarbeiter dann auf ihrer alten Station wieder mit Papier arbeiten müssen“, schmunzelt Pätzold.

Die Mehrwerte einer elektronischen Patientenakte sind deutlich zu sehen. So konnte die Zeit für die Patientenaufnahme beispielsweise um bis zu 50% reduziert werden. „Früher dauerte eine Patientenaufnahme ca. 20 Minuten“, erklärt Pätzold. „Heute nur noch 10 Minuten. Wenn sich erstmal bestimmte Routinen etabliert haben, können Prozesse digital viel schneller abgearbeitet werden als händisch.“ Weitere Vorteile: Die Suche nach Akten entfällt komplett, unleserliche handschriftliche Anweisungen gehören der Vergangenheit an.

Neben den Patienten profitieren auch die Mitarbeiter von der elektronischen Patientenakte. Weil von überall auf die Akten zugegriffen werden kann, entzerren sich die Arbeitsabläufe des Pflegepersonals. „Früher hatten unsere Kolleginnen und Kollegen am Schichtende noch einen Stress-Peak, weil Vitalwerte, Dokumentationen und Anordnungen in die Papierakte nachgetragen werden mussten“, so Pätzold. „Mit der digitalen Akte entfällt das, denn unsere Pflegekräfte können alles während ihrer Schicht direkt ins KIS eintragen.“

Nicht zuletzt sieht Markus Pätzold in der Digitalisierung auch die Chance, das (Berufs)bild der Pflege wieder aufzuwerten. „Derzeit nehme ich Pflegekräfte als eine Berufsgruppe mit hängenden Köpfen war. Dabei haben sie allen Grund, selbstbewusster aufzutreten“, erklärt Pätzold. „Die digitale Dokumentation kann da unterstützen, denn sie macht die Maßnahmen und Erfolge der Kolleginnen und Kollegen sichtbar.“


 


Markus Pätzold
Teamleitung elektr. Dokumentation am Universitätsklinikum Essen

 

Fotos: © Universitätsklinikum Essen