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von Norbert Neumann
veröffentlicht am 28.10.2016

Dr. Ulrich Maier ist hygienebeauftragter Arzt und Senior Strategist beim Healthcare-IT-Hersteller Cerner. Im Interview verrät er, wie MetaHMS Kliniken dabei unterstützt, ihr Hygienemanagement auszubauen und so aktiv Prozesse zu steuern.

Die Fachdisziplin Hygiene gewinnt in Krankenhäusern immer mehr an Bedeutung. Wie beurteilen sie die Entwicklung?

Noch vor einigen Jahren standen Hygienefachkräfte mit ihrer Aufgabe relativ isoliert da. Inzwischen muss die Hygiene - auch und gerade durch gesetzliche Reglementierungen und Anforderungen - institutionell in den Kliniken verankert sein. Viele Krankenhäuser fühlen sich hier aber noch nicht gut aufgestellt. Mit dem Krankenhausstrukturgesetz kommen nun für die Hygieneverantwortlichen neue Herausforderungen hinzu: Denn auch die Qualität der Hygiene wird eine Zielvorgabe der Krankenhausfinanzierung werden. Ein planungsrelevanter Indikator aus der Hygiene wird vermutlich die postoperative Wundinfektion als Indikator für eine nosokomiale Infektion sein. Wer hier die Zielvorgaben nicht erreicht wird nach dem Pay for Performance Prinzip mit Qualitätsabschlägen rechnen müssen. Spätestens im dritten Jahr werden diese Indikatoren planungsrelevant. Auch die Qualitätskontrollen des MDK werden im Hinblick auf die Hygienequalität strenger ausfallen. Herkömmliche Prozesse werden in den meisten Kliniken nicht ausreichen, um negative wirtschaftliche Konsequenzen zu vermeiden.

Was müssen Kliniken an ihrem Hygienemanagement ändern, um negative Folgen des Pay for Performance Prinzips zu vermeiden?

Krankenhäuser sollten darüber nachdenken, nicht mehr nur den gesetzlichen Anforderungen entsprechend Bericht zu erstatten, sondern selber die Prozesse steuern zu können. So übermitteln etwa kleinere und mittlere Häuser ihre Surveillance-Daten zwar direkt oder über ihr Labor an das Robert Koch-Institut. Sie erhalten so selber aber keine Informationen und Steuerungsmöglichkeiten an die Hand. Mit einer intelligenten Software, die klinische Tätigkeiten integriert wie es mit MetaHMS möglich ist, können einzelne Stationen wie Kardiologie, Chirurgie etc. einzeln ausgewertet und verglichen werden, so dass dann gezielt mit Maßnahmen, Anpassung von Hygieneplänen etc. reagieren werden kann. Größere Häuser haben in der Regel ein eigenes Mikrobiologisches Labor und können auch Auswertungen fahren, doch auch hier bietet unser MetaHMS System über Einzelinstallationen hinaus eine ganzheitliche Alternative mit vielen Auswertungsmöglichkeiten.

Welche Vorteile bietet das MetaHMS System den Häusern mit Blick auf die künftigen Qualitätsanforderungen?

Mit MetaHMS sind wir tief in den klinischen Alltag verankert, das ist entscheidend denn es ist ja nicht die Hygienefachkraft selber, sondern die Pflegekraft oder der Arzt, die eine klinische Tätigkeit mit dem Risiko einer nosokomialen Infektion durchführt. Konkret: Wir bieten über die KIS Integration und die Möglichkeit nicht nur die OP- und Bewegungsdaten anzeigen und auswerten zu können, sondern auch die Weiterentwicklung in Richtung Medikations- und Pflegeplanung, also zum Beispiel Dekolonisierung oder Sanierung, die bei einigen Keimen wie MRSA indiziert ist. Die Pflegekraft wird also automatisch an ihrem Arbeitsplatz darüber informiert, dass sie neben der normalen Pflegeplanung auch zusätzliche Hygienemaßnahmen durchzuführen hat. Mit MetaHMS ist zudem ein patienten- nicht nur stationsbezogener Zugriff auf die verordneten Antibiotika möglich. Die Daten geben dann Aufschluss welcher Patient welches Antibiotikum erhalten hat und stellen ggfs. einen Zusammenhang mit Infektionsraten und Device-abhängigen Infektionen her. Gleichzeitig erlaubt MetaHMS eine lückenlose Dokumentation. Diese ist nicht nur für Kontrollen durch den MDK relevant. Die richtige Dokumentation ist auch die Basis für das richtige Codieren. Viele Krankenhäuser machen keine korrekte Kodierung, d.h. am Ende des Tages geht der Aufwand verloren.

Es gibt immer weniger wirksame Antibiotika gegen das sich entwickelnde Keimspektrum. Was kann MetaHMS im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen leisten?

Grundsätzlich senkt jede verhinderte Infektion das Risiko eines weiteren Selektionsdrucks auf die Bakterien und damit der weiterer Resistenzen. Allein die Teilnahme an einem Überwachungssystem wie dem Stations-KISS führt bereits zu sinkenden Infektionsraten, weil man ein höheres Augenmerk auf infektionsrelevante Tätigkeiten und Faktoren legt, die auch dokumentiert werden.MetaHMS erweitert diesen Ansatz, indem frühzeitig auf mögliche Infektionen hingewiesen wird und bei nachgewiesenen nosokomialen Infektionen die notwendigen Daten für das Nationale Referenzzentrum (NRZ) in Form der Datensätze z.B. für Stations-KISS bereitstellt. Damit unterstützt die Lösung eine frühzeitige Dokumentation und Betrachtung des Falles und trägt dazu bei, dass Standards früher eingehalten werden, z. B. die Durchführung von Blutkulturen. In den Statistiken liegt Deutschland da weit abgeschlagen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, mit 12.1 Blutkulturen pro 1000 Patiententagen. Das System erinnert zu dem Zeitpunkt an dem eine Blutkultur indiziert ist, diese rechtzeitig durchzuführen. Damit gelingt es viel früher den Erreger zu identifizieren und auch relativ schnell nach erfolgter Initialtherapie die Therapie zu optimieren. Wichtig ist auch die Deeskalation in der Antibiotikatherapie. Dabei sind drei Punkte zu beachten: Kosten, Reduktion unerwünschter Arzneimittelwirkung und natürlich auch, dass die Deeskalation die Resistenzen positiv beeinflusst. Oft passiert es nämlich, dass nicht nur das falsche Antibiotikum verabreicht wird, also die falsche Indikation gesetzt wird, sondern auch, dass die Antibiotika zu lange und in der falschen Dosierung verabreicht werden. So entstehen natürlich wesentlich schneller Resistenzen. Deswegen wird MetaHMS dahingehend weiterentwickelt, dass es unter Berücksichtigung der jeweiligen Resistenzsituation bei der Auswahl des Antibiotikums der ersten Wahl im jeweiligen Fall unterstützen wird.

Vielen Dank Herr Dr. Maier!


Weitere Informationen über die Hygienemanagement-Lösung von Cerner finden Sie hier.

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