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von Norbert Neumann
veröffentlicht am 08.11.2018

In den Augusta Kliniken Bochum hat die Zukunft längst begonnen – auch bei der Vitalwerterfassung

Die Krankenhaus-IT in den Augusta Kliniken wird bereits seit vielen Jahren sehr weitsichtig ausgebaut. Um mittel- bis langfristig effizient planen zu können, ist es wichtig, die unterschiedlichen Investitionszyklen von Hard- und Software aufeinander abzustimmen und die Beschaffung vorausschauend zu koordinieren. Daher beschafften die Augusta Kliniken Welch Allyn-Geräte zur Vitalwertmessung, obwohl der Roll-out der elektronischen Patientenakte auf den Stationen des Krankenhauses noch nicht komplett abgeschlossen ist. Doch trotz dieser – voraussichtlich noch bis 2019 andauernden – Einschränkung rentiert sich die Beschaffung der Geräte bereits jetzt. In naher Zukunft werden sich mit dem kompletten Roll-out der ePA durch die Geräte neue Möglichkeiten ergeben, die dann dank zukunftsorientierter Planung zügig umgesetzt werden können.

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Äußerlich unterscheiden sich die Kliniken an den drei Standorten der Augusta Kliniken kaum von anderen Krankenhäusern mit ähnlich langer Historie: Die Gebäude auf dem natürlich gewachsenen Campus sind zwar schon etwas in die Jahre gekommen, aber durch kontinuierliche Umbau-, Renovierungs- und Neubaumaßnahmen bestmöglich an die Anforderungen modernster medizinischer Versorgung angepasst worden.

Hinter den Fassaden: eine fast komplette, flächendeckende Digitalisierung

Sieht man etwas näher hin, erkennt man allerdings, dass man einen der wenigen nahezu komplett digitalisierten Klinikverbünde in Deutschland vor sich hat. IT-Leiter Oliver Leifels ist nicht ohne Grund stolz auf die Leistung seiner IT-Abteilung: „Unsere Leistungsstellen sind bereits komplett digitalisiert. Uns fehlen eigentlich nur noch die digitale Medikation und die elektronische Patientenakte (ePA) auf den Stationen, dann sind unsere drei Standorte mit ihren rund 1.000 Betten im Prinzip komplett papierlos zu betreiben.“

Die Krankenhaus-IT in den Augusta Kliniken wird bereits seit vielen Jahren sehr vorausschauend ausgebaut. „Wir verstehen unser KIS als tief in die Arbeitsabläufe des Klinikums integrierte Kommunikationsplattform. Das spiegelt sich auch darin wider, dass wir als IT-Abteilung zwar organisatorisch eigenständig sind, uns aber mit anderen Bereichen kontinuierlich abstimmen. Dazu gehören vor allem die Haus- und die Medizintechnik, mit denen wir uns regelmäßig treffen, um große Projekte zu synchronisieren.“

Oliver Leifels
IT-Leiter Augusta Kliniken Bochum

Vorausschauend das Pflegepersonal entlasten: Vitalwerterfassung mit Welch Allyn-Geräten

Diesen regelmäßigen Treffen ist es auch zu verdanken, dass in den drei Standorten der Augusta Kliniken bereits seit zwei Jahren die Vitalwerte mit Geräten des Cerner-Partners Welch Allyn erfasst und direkt in das KIS weitergeleitet werden. „Die Geschichte, wie es dazu kam, ist ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit der einzelnen Abteilungen in unserem Verbund“, erzählt Oliver Leifels. „Vor gut zwei Jahren war es der Wunsch der Geschäftsführung, mit der Medizintechnik zusammen modernste Geräte für die Erfassung von Vitalwerten in allen Bereichen unserer Häuser zu etablieren. Die Medizintechnik sprach sich daraufhin mit unserer IT- Abteilung ab, um zu verstehen, welche technischen Voraussetzungen unsererseits an entsprechende Geräte bestanden. Der Punkt dabei ist, dass die Anschaffungs- und Innovationszyklen von medizintechnischen Geräten und IT oft völlig unterschiedlich sind. Deswegen ist es wichtig, die technischen Voraussetzungen so gut wie möglich aufeinander abzustimmen.“ Zum damaligen Zeitpunkt existierte noch keine elektronische Patientenakte im KIS der Augusta Kliniken. Die digitale Fieberkurve fand seinerzeit gerade auf Basis der neuen medico®-Portal-Version Einzug in das KIS und erste Überlegungen zur Einführung einer ePA wurden angestellt“, erinnert sich der IT-Leiter. „Trotzdem wäre es eine falsche Entscheidung gewesen, zu warten oder irgendwelche Geräte anzuschaffen, die sich hinterher als nicht kompatibel oder ausbaufähig erwiesen hätten. Wir diskutierten also mit den Kollegen der Medizintechnik, wie unser KIS in Zukunft aussehen würde und wie wir bereits jetzt den bestmöglichen Nutzen aus den neuen Vitalwertmessgeräten ziehen könnten.“

Letztlich fiel die Entscheidung zugunsten von Welch Allyn. „Die Geräte sind voll ausgereift und bewährt, haben eine extrem lange Akkulaufzeit und vor allem jede Menge Ausbaupotenzial. Damit rentiert sich nicht nur die Anschaffung auch auf längere Zeit, sondern es bringt zudem unmittelbaren Nutzen für das Personal.“ Denn Pflegekräfte sind für die Augusta Kliniken gleichermaßen schwer zu bekommen. „Insbesondere im Pflegebereich ist die Arbeitsverdichtung enorm. Deswegen ist es seitens unserer Geschäftsführung eine klare Vorgabe, alles zu tun, um das Personal so weit wie möglich zu entlasten.“ Insofern wäre ein ‚Weiter so‘ mit manuellen Vitalwertmessungen und händischer Übertragung in das KIS zu keiner Zeit eine Alternative gewesen. „Erstens summiert es sich schnell, wenn bei jeder Vitalwertmessung noch ein paar Minuten für die Übertragung der Werte benötigt werden, zweitens werden sich Übertragungsfehler nicht vermeiden lassen und drittens ist es auch eine Frage der Wertschätzung der Mitarbeiter und damit auch der Motivation. Hinzu kommt, dass die Erfahrung zeigt, dass eine Papierakte nicht immer unmittelbar griffbereit ist, zum Beispiel weil der Arzt sie gerade benötigt. Dann muss die Pflegekraft sich merken, dass die Vitalwerte bei diesem Patienten noch übertragen werden müssen – was in der enormen Arbeitsverdichtung allerdings leicht vergessen werden kann und dann zu Dokumentationslücken führt“, erklärt Oliver Leifels.

Vereinfachte Abläufe, direkte Werteübertragung in das KIS

Das Pflegepersonal profitiert bereits seit Einführung der Vitalwertmessung mit Welch Allyn-Geräten von einem vereinfachten Arbeitsablauf und einer direkten Übertragung der Werte in das KIS. „Die Geräte sind so kompakt, dass sie leicht auf den Rundgängen mitzuführen sind“, erläutert Oliver Leifels. „Die Pflegekraft scannt den Patientenbarcode, legt die Blutdruckmanschette an, hält das Fieberthermometer ins Ohr, startet die Messung und überträgt die Werte mit einem Knopfdruck direkt ins KIS. Das ist alles. Kein Papier, keine Übertragungsfehler und ein schneller, einfacher Arbeitsablauf.“ Mit dem Ausrollen der ePA eröffnen sich weitere Möglichkeiten: „Wir wollen dann auch die Option nutzen, beispielsweise Schmerzscores oder Informationen über den Stuhlgang von Patienten über die Welch Allyn-Geräte direkt zu dokumentieren. Dies macht allerdings erst Sinn, wenn die ePA flächendeckend eingeführt ist.“

Die regelmäßigen Abstimmungen zwischen IT, Medizin- und Haustechnik und die damit verbundene mittel- bis langfristige Planung tragen – wie das Beispiel Vitalwertmessung zeigt – durchaus Früchte. Und die nächsten Schritte stehen bereits an, wie IT-Leiter Leifels skizziert: „Wie gesagt wollen wir unseren Digitalisierungsprozess bis Mitte 2019 abgeschlossen haben. Dann geht es nicht nur an den weiteren Ausbau des KIS – z. B. um zusätzliche Funktionen der Welch Allyn-Geräte nutzen zu können –, sondern auch um die Modernisierung der Infrastruktur. Dazu gehört vor allem unser WLAN, das schon etwas älter ist und dementsprechend nicht mehr die modernsten Bandbreiten unterstützt. Punktuell haben wir, je nach Anwendungsfall, schon nachgebessert, aber in einem voll digitalisierten Krankenhaus ist ein schnelles WLAN ein Muss.“

Hinter altehrwürdigen Fassaden hat die digitale Zukunft schon längst begonnen

Und so denkt Oliver Leifels zusammen mit seinen Kollegen von der Haustechnik schon wieder kräftig voraus: „Wir wollen im nächsten Schritt nicht nur ein schnelleres WLAN, sondern es – auch in den Neubauten, die gerade entstehen – so einmessen, dass wir es zukünftig nicht nur für eine reine Datenübertragung nutzen, sondern auch Ortungen vornehmen können: Zum Beispiel um den aktuellen Standort von Betten oder auch Risikopatienten bestimmen zu können – natürlich nur mit deren Einverständnis und um die Möglichkeit zu haben, sie im Notfall schnell zu finden.“

Hinter den altehrwürdigen Fassaden der Augusta Kliniken Bochum hat die Zukunft schon längst begonnen.


Fotos: © Augusta Kliniken Bochum