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von Dominik Roettger
veröffentlicht am 22.09.2016

GesundheIT im Wandel... indem jeder etwas tut!

„Wo ist der Kadex?“ – „Schau mal im Arztzimmer.“ Volltreffer: Der Arzt schreibt gerade die Entlassungsbriefe und braucht noch eine Weile. Also muss ich warten, bis ich mit meiner Arbeit fortfahren kann. Aus meiner Zeit im Krankenhaus ist mir die Umständlichkeit einer papierbasierten Dokumentation noch stark in Erinnerung geblieben: Vitalzeichen, Ein- und Ausfuhr, verabreichte Medikamente oder erfasste Schmerzen des Patienten dokumentierten meine Kolleginnen und Kollegen und ich erst auf einer ausgedruckten Patientenliste. Sobald dann – in der Regel bei der Übergabe – die Patientenakten zur Verfügung standen, wurde dort alles nachdokumentiert. Wozu einfach, wenn es auch kompliziert geht, habe ich mir oft gedacht, wenn ich Patienten gegenüber stand, die mir mit einem verständnislosen Blick sagten: „Das habe ich doch schon in der Notaufnahme erzählt, muss ich das noch einmal wiederholen?“ Ja. Denn alles, was in der Papierdokumentation der Notaufnahme niedergeschrieben und dort fein säuberlich abgelegt war, musste natürlich auch im pflegerischen Aufnahmebogen auf der Station stehen. Und dem ärztlichen Anamnesebogen und wer weiß wo sonst noch. So hatte der Patient das zweifelhafte Vergnügen, seine Geschichte immer und immer wieder von vorne erzählen zu dürfen: Allergien, Vorerkrankungen, Medikation, benötigte Hilfestellung…

Die Frage: Geht das wirklich nicht einfacher und besser drängte sich mir also ständig auf. Und als an IT interessierter Mensch wurde mir zunehmend bewusst, dass es besser gehen kann. Eine Prozessunterstützung und Dokumentation durch IT wäre die Lösung. Elektronische Dokumente, an denen das Personal jederzeit vom Arbeitsplatz aus zugreifen kann. Keine Doppeldokumentation und keine Suche nach der Kurve mehr (und keine Streitereien mit der Ärzteschaft, wessen Aufgabe gerade relevanter ist). Nur: Praxisgerecht müssen die Lösungen sein. Als ich mich nach einigen Jahren in der Pflege beruflich verändern und weiter entwickeln wollte, landete ich folgerichtig in der Healthcare-IT.

Nach einem dualen Studium an der Hochschule München war es dann so weit: Ich konnte meine Erfahrungen aus dem Klinikalltag in Lösungen einbringen, die den Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern das Leben erleichtern würden. Und tatsächlich lassen sich viele Probleme wie Doppeldokumentation, Informationsdefizite und Kurven, die gerade überall sind, nur nicht da, wo man sie braucht, durch die Implementierung einer elektronischen Patientenakte einfach lösen. Aber trotz aller klinischer Erfahrungen: Mir ist schnell bewusst geworden, wie wichtig es ist, eng mit den klinischen Anwendern zusammen zu arbeiten. Denn auch wenn bewährte Workflows und Anwendungen eine gute Grundlage sind: Zu guter Letzt gibt es viele individuelle Wege und Abläufe in der Versorgung von Patienten. Jedes Krankenhaus, jede Fachabteilung ist anders. Und so lerne ich täglich dazu, verbessere unsere Lösungen immer weiter und passe sie an die individuellen Anforderungen beim Kunden an. Und trotz aller Bemühungen sowohl seitens der Kunden als auch der von Unternehmen wie Cerner: In Deutschland sind wir erst am Anfang der Möglichkeiten eines umfangreichen und integrierten klinischen Informationssystems. Viele Krankenhäuser beschränken sich noch auf die Erfassung administrativer Daten oder es stehen nur Teile der klinischen Dokumentation elektronisch zur Verfügung. In zu vielen Krankenhäusern ist die Suche nach der Kurve noch genauso Alltag, wie ständig erneut ihre Leidensgeschichte erzählende Patienten.
Gleichzeitig wächst der Druck auf das Personal. Gerade weil ich dem Alltag in der Klinik lange genug selbst ausgesetzt war, möchte ich meinen Beitrag dazu leisten, Lösungen bereitzustellen, die flächendeckend eingesetzt werden und entscheidungsunterstützende Maßnahmen und Workflows anbieten, die aufwendige Dokumentation beschleunigen und alle vorhandenen Informationen zu einem Gesamtbild zusammenfassen.

Im Grunde genommen habe ich mit meinem Schritt in die IT-Industrie mein Tätigkeitsfeld nicht verändert, sondern erweitert: In gewissem Sinne bin ich nach wie vor für Patienten da. Indem ich Lösungen entwickle, die dem medizinischen Personal die Arbeit erleichtern und dazu beitragen, menschliche Fehler zu vermeiden oder gar zu verhindern. Gleichzeitig arbeite ich aber auch für meine Kolleginnen und Kollegen in der Klinik: Um sie von unnötigen, frustrierenden Arbeiten wie unnötigen Mehrfachdokumentationen zu entlasten. Und ihnen vielleicht die Möglichkeit zu geben, das zu tun, weswegen sie – und auch ich – eigentlich einen medizinischen Beruf ergriffen haben: Patienten menschlich zu betreuen.

Dominik Roettger ist gelernter Gesundheits- und Krankenpfleger und hat an der Hochschule München ein duales Studium absolviert. Er arbeitet seit mehr als 2,5 Jahren bei Cerner Deutschland, derzeit als Solution Architect, und konzentriert sich auf die Implementierung und das Design klinischer Workflows und die Erfassung und Dokumentation von Medikamenten.

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