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von Till Berger
veröffentlicht am 15.10.2018

Die Klinik Mühldorf am Inn implementiert ein digitales Infektionspräventions- und Surveillancesystem

Anfang 2017 startete die Klinik Mühldorf am Inn mit der Implementierung des Infektionspräventions- und Surveillancesystems (IPSS/MetaHMS) von Cerner. Derzeit arbeitet das Projektteam an einer letzten Herausforderung: Die Einrichtung der Schnittstellen zwischen dieser IT-Lösung und dem externen Laborsystem. Die Hygienefachkräfte auf den Stationen können bereits erste Funktionen von MetaHMS testen und sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Die Lösung soll helfen, Infektionen früher zu erkennen, standardisierte Hygienemaßnahmen frühzeitig anzuwenden und klinikweit gesammelte Daten in einer Lösung zusammenzuführen. Dann heißt es: „Ade Excel-Listen!“

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Vor knapp zwei Jahren entschied sich die Klinik Mühldorf am Inn für die Anschaffung eines Systems zur Unterstützung der Arbeitsprozesse der Krankenhaushygiene. „Wir wollten ein elektronisch gestütztes Hygienemanagement ohne Medienbrüche, das alle Informationen in einer Datenbank zusammenführt und relevante Patienteninformationen direkt im KIS ausgibt“, beschreibt Oberarzt Dr. Gerhard Füchsl, Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Notfallmedizin, die Anforderungen an die neue Software. Die Klinik vertraut bereits auf das Krankenhausinformationssystem (KIS) medico® von Cerner. Es war also naheliegend, auch einen Blick auf die dafür vorhandene Softwarelösung des Unternehmens zu werfen.

MetaHMS überzeugt

„Auf der conhIT 2015 konnte ich mir einen persönlichen Eindruck von MetaHMS live in Berlin machen“, erinnert sich Dr. Füchsl. „Überzeugt haben mich schließlich die gute Anbindung der Lösung an unser KIS und die Möglichkeit, relevante Informationen systemübergreifend vorzuhalten. Als Arzt kann ich so behandlungsrelevante Informationen zu Patienten oder ganzen Stationen direkt einsehen, ein wichtiger Aspekt zum Beispiel bei der Früherkennung von Infektionen.“ Denn mit MetaHMS soll nicht mehr nur eine gesetzeskonforme Dokumentation stattfinden. Vielmehr sind neben einer verbesserten Auswertung, Nachverfolgung und statistischen Aufbereitung von Infektionsmeldungen vor allem auch eine höhere Früherkennungsrate und schnellere Reaktion auf Infektionen das Ziel – und ebenso eine Reduktion von Infektionen. Das war bisher nur sehr eingeschränkt möglich, denn die in der Klinik erhobenen Daten lagen in verschiedenen Subsystemen vor, zum Beispiel in diversen Excel-Listen. Dort mussten die Hygienefachkräfte beispielsweise erfassen, wie viele Patienten auf einer Station behandelt werden, wie viele einen zentralen Venenkatheter haben und viele weitere Informationen.

„Unser Problem war nicht die Erhebung von Daten an sich, sondern eher die Tatsache, dass diese Daten auf mehreren verschiedenen Systemen verstreut vorlagen“, erläutert Thomas Kitzeder, Projektleiter und Hygienefachkraft am Klinikum Mühldorf. „Wir wollten eine Lösung, die sämtliche Daten in einem System zusammenführt und auswertet.“ Auf dem Hygienekongress 2016 in Ulm konnte auch er sich persönlich von MetaHMS überzeugen. Neben den oben genannten Vorteilen kann die Cerner-Lösung weiter punkten: „Die Anbindung des Systems an unser KIS hat noch einen positiven Nebeneffekt: Die Funktionen stehen eingebettet in die Benutzeroberfläche von medico zur Verfügung – ein wichtiger Punkt für die Akzeptanz neuer Software durch die Mitarbeiter“, ergänzt Kitzeder.

Thema Schnittstellen

Seit Projektstart Anfang 2017 sind die beteiligten Teams gut vorangekommen. Derzeit wird an einer Herausforderung gearbeitet, die intensivere Zeitressourcen fordert als anfangs abzusehen war: die Einrichtung von Schnittstellen zwischen der Klinik und externen Laboren. Scheinbar banal, muss diesem Thema viel Augenmerk gewidmet werden, um für einen ungehinderten, durchgehenden Datenfluss sorgen zu können. Vereinzelt gibt es zwar Standardisierungsbemühungen in der Healthcare-IT, aber gerade bei Spezialanwendungen wie Laborsoftware fehlen immer noch einheitliche Definitionen und Vorgaben. Eine strukturierte Datenübertragung ist nur dann möglich, wenn es gelingt, zusammen mit dem Hersteller der Laborsoftware eine gemeinsame Schnittstellenspezifikation zu erstellen. „Wir stehen derzeit vor der Situation, dass unsere Systeme noch nicht vollständig strukturiert mit den Laboranwendungen kommunizieren können“, erklärt Kitzeder. „Gemeinsam mit Teams von Cerner und unseren externen Partnern arbeiten wir jetzt daran, dass alle Systeme eine gemeinsame Sprache sprechen.“

Erste Vorteile sind schon jetzt sichtbar

Die Hygienefachkräfte haben bereits begonnen, auf mehreren Stationen Funktionalitäten von MetaHMS zu testen. Dabei fällt schon jetzt ein Vorteil besonders ins Auge: „Bisher mussten unsere Hygienefachkräfte ca. zwei bis drei Stunden pro Tag für die Übertragung der gesammelten Daten in die verschiedenen Excel-Listen aufwenden“, sagt Kitzeder. „Mit MetaHMS werden diese Arbeitsschritte unnötig, was viel Zeit spart. So können sich die Hygienefachkräfte wieder ihren eigentlichen Aufgaben am Patienten und auf den Stationen widmen. Dazu gehören Datenerhebungen und Beobachtungen, aber auch Weiterbildungen sowie die Vorbereitung und Durchführung von Schulungen zum Thema Hygiene für alle Klinikmitarbeiter.“ Als Key User werden die Hygienefachkräfte dann auch die MetaHMS-Schulungen für Ärzte und Pflegekräfte übernehmen.

Eine weitere Verbesserung ist die Möglichkeit, für bestimmte Szenarien Hygienestandards direkt im System zu hinterlegen. „Im Ernstfall können so zum Beispiel Isolierungsmaßnahmen unmittelbar auf Station umgesetzt werden, was die Gefahr einer Ausbreitung eines Infekts deutlich minimieren kann“, erklärt Kitzeder. Darin liegt auch der Schwerpunkt eines Hygienemanagementsystems: „Mit der statistischen Auswertung unserer Daten durch MetaHMS können wir Infektionshäufungen und -wege frühzeitiger erkennen und besser verhindern.“ Und davon profitieren letztlich alle: die Patienten, die Mitarbeiter und die Klinik.


Foto: © fotolia