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von Norbert Neumann
veröffentlicht am 09.11.2017

Soarian Integrated Care im Klinikum Landshut

Die Grenze zwischen stationärer und ambulanter Versorgung ist in Deutschland – trotz vieler Versuche, sie aufzuweichen – nach wie vor weitgehend festgezogen. Allerdings zeichnet sich bereits seit Jahren ab, dass diese noch aus Bismarck’scher Zeit stammende Einteilung vor dem Hintergrund einer immer differenzierteren Behandlung von Krankheiten nicht mehr zeitgemäß ist. Konsequenterweise gibt es daher immer wieder Versuche seitens der Gesundheitspolitik, die Grenze zwischen Krankenhaus und niedergelassenem Bereich insbesondere bei der Behandlung komplexer Krankheitsbilder durchlässiger zu gestalten.

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Die – beispielsweise bei der Integrierten Versorgung – bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts zurückreichenden Bemühungen haben zwar zu unterschiedlichen Modellen und Möglichkeiten geführt, bestimmte Patienten über Versorgungsgrenzen hinweg behandeln zu können. Eine einheitliche Kommunikationsinfrastruktur konnte aber bislang nicht zur Verfügung gestellt werden. Krankenhäuser, die mit niedergelassenen Ärzten kooperieren wollen, stehen damit vor der Herausforderung, selbst eine schnelle und sichere Kommunikation mit ihren Partnern sicherzustellen.

Das gilt nicht nur für die oben erwähnte Integrierte Versorgung, sondern auch für die vergleichsweise neue Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung nach § 116b SGB V. Der Gesetzgeber definiert in diesem Zusammenhang nicht nur die Krankheitsbilder, die sektorenübergreifend behandelt werden können und sollen . Vielmehr ist auch explizit gefordert, dass Dokumentationen und Befunde allen an der Behandlung Beteiligten zeitnah zur Verfügung gestellt werden müssen . Zu diesem Behandlungsteam können auch nicht-ärztliche Leistungserbringer, wie beispielsweise Physiotherapeuten gehören. Gefragt sind also Lösungen, die sowohl die Kommunikation zwischen, als auch die Koordination von unterschiedlichen Leistungserbringern, sowohl im ambulanten wie auch im stationären Sektor, ermöglichen.

Komplexe Anforderungen eine IT-Lösung

Diese Erfahrungen machten auch Corinna Witt, kaufmännische Leitung des Ambulanzzentrums am Klinikum Landshut, welches als einer von vielen Partnern an der ASV-Versorgung teilnimmt, und Stefan Limmer, IT-Leiter am Klinikum Landshut. Als das Klinikum im Frühsommer 2015 den Antrag auf Teilnahme an der Ambulanten Spezialfach- ärztlichen Versorgung stellte, ging es darum, im Vorfeld eine Möglichkeit zu finden, den gesetzlichen Anforderungen nach schneller Kommunikation nicht nur zu entsprechen, sondern sie auch zu übertreffen.

Corinna Witt
Kaufmännische Leitung des Ambulanzzentrums am Klinikum Landshut

„Wir wollten, dass ‚zeitnah’ wirklich ‚zeitnah’ ist. Darüber hinaus sollten nicht nur Daten übertragen werden können, sondern auch Benachrichtigungen erfolgen, um den jeweiligen Empfänger auf das Vorhandensein neuer Dokumente hinzuweisen“, umreißt Stefan Limmer die damaligen Überlegungen im Rahmen der Markterkundung. Corinna Witt ergänzt: „Außerdem wollten wir die Möglichkeit haben, spezielle Ablaufbögen zu integrieren, sodass wir den Behandlungsprozess koordinieren können und jederzeit klar ist, an welcher Stelle des Ablaufs der Patient gerade steht.

Und es sollte möglich sein, Aufträge direkt aus dem Ablaufbogen heraus zu erteilen – ohne extra Konsiliaranforderungen ausfüllen zu müssen. Bei der Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung geht es ja um sehr komplexe Erkrankungen. Deswegen sind Koordination, möglichst einfache Prozesse und ständiger Überblick so wichtig. In unserem Fall wollten wir zuerst die Behandlung gastrointestinaler Tumore – also bösartiger Neubildungen im Magen-Darm-Trakt – umsetzen.“

Stefan Limmer
IT-Leiter am Klinikum Landshut

Entscheidung für Soarian Integrated Care

Nach einer ausführlichen Markterkundung entschied sich das Landshuter Projektteam schließlich für Soarian® Integrated Care (SIC) von Cerner. Das hatte mehrere Gründe, wie Stefan Limmer erklärt: „Wir nutzen das KIS medico® dieses Herstellers bereits seit vielen Jahren und wussten daher, dass man sich auf Cerner als Partner verlassen kann. Ein weiterer Punkt war, dass wir bestrebt sind, möglichst viel in unserem KIS zu dokumentieren. So läuft auch die Tumordokumentation in medico. Wir wollten also möglichst keine eigenständige, separate Lösung, sondern eine, die in der Lage wäre, Daten reibungslos mit medico und anderen KIS- oder Praxissystemen auszutauschen. Genau dafür ist Soarian Integrated Care ja auch gedacht. Der letzte Punkt war die Antwort von Cerner auf unsere Anfrage: Während eine andere Firma, bei der wir um mehr Informationen gebeten hatten, eher unspezifisch und zögerlich antwortete, reagierte Cerner schnell und mit einem detaillierten Konzept. In der Summe sprach also alles für Cerner und SIC.“

„Man befindet sich zwischen den Welten“

Vor allem das ausgereifte Konzept und die Bereitschaft, das System mit dem Kunden weiterzuentwickeln, waren für das Projektteam wichtig. „Es gibt so gut wie kein wirklich passendes System für die Unterstützung der Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung auf dem Markt“, erklärt Corinna Witt. „Man befindet sich sozusagen zwischen den Welten: Es gibt klinische Systeme und es gibt Lösungen für den niedergelassenen Bereich. Dazwischen gibt es nichts. Deswegen war es für uns elementar, ein Basissystem zu haben, das uns mit seinen Grundfunktionen schnell weiterbringt und eine einfache, spezifische Weiterentwicklung ermöglicht. Eben Soarian Integrated Care.“ – „Und natürlich einen zuverlässigen Partner, der uns bei der Entwicklung unserer Lösung unterstützt“, ergänzt Stefan Limmer

Wie wichtig diese Faktoren sind, zeigt sich, wenn man die Anforderungen noch detaillierter betrachtet. IT-Leiter Limmer nennt ein Beispiel: „Wir wollen, dass Laborbefunde automatisch in SIC kopiert werden, um einerseits die Daten schneller bereitzustellen und andererseits manuelle Prozesse möglichst zu vermeiden – wenn die Befunde von Hand kopiert werden müssen, können Fehler passieren oder es kann auch schlicht einmal etwas vergessen werden. Die Herausforderung dabei: Wir haben es hier mit einer Vielzahl von Laboren und Praxen zu tun, mit lauter unterschiedlichen Softwaresystemen. Die Anbindung ist also komplexer, als es sich anhört. Deswegen ist es für uns eine große Erleichterung, dass Cerner sich darum kümmert.“

Im September 2015 erhielt der IT-Hersteller den Auftrag, kurz danach begann die Umsetzung. Im Januar 2016 startete das Klinikum Landshut die Teilnahme an der Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung und im Februar folgte der Go-live mit Soarian Integrated Care. „Die Plattform ist installiert und die Basisfunktionen wie der Austausch von Dokumenten und die Terminplanung laufen einwandfrei“, fasst Corinna Witt den aktuellen Projektstand zusammen. „Zurzeit arbeiten wir daran, die von Stefan Limmer erwähnte Laborkommunikation zu implementieren. Parallel wird die Lösung weiterentwickelt und an die speziellen Erfordernisse der Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung angepasst.“

Die Projektmitarbeiter sind Pioniere

Das Team sieht sich dabei durchaus in einer Pionierrolle. Stefan Limmer: „Die Versorgungsform als solche ist relativ neu und hat spezifische Anforderungen. Generell ist es immer eine Herausforderung, eine übergreifende Versorgung aufzubauen. In unserem Fall kommt aber noch hinzu, dass die existierenden Lösungen in der Regel darauf ausgelegt sind, Integrierte Versorgung zu unterstützen. Für die Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung gelten aber andere Regeln, die erst entwickelt werden müssen. Wir wären also in jedem Fall mit einer Neuentwicklung konfrontiert worden. SIC war für uns aufgrund seiner Konzeption und Flexibilität die beste Wahl.“

Corinna Witt und Stefan Limmer wandeln also nicht nur auf neuen Pfaden, sondern sehen sich mit ihrem Projekt auf einem guten Weg.


1) SGB V, § 116b, Abs. 1
2) Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ambulante spezialfachärztliche Versorgung nach § 116b SGB V, § 14, Satz 5

Ade Excel-Listen – Servus MetaHMS!

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Anfang 2017 startete die Klinik Mühldorf am Inn mit der Implementierung des Infektionspräventions- und Surveillancesystems (IPSS/MetaHMS) von Cerner. Derzeit arbeitet das Projektteam an einer letzten Herausforderung: Die Einrichtung der Schnittstellen zwischen dieser IT-Lösung und dem externen Laborsystem. Die Hygienefachkräfte auf den Stationen können bereits erste Funktionen von MetaHMS testen und sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Die Lösung soll helfen, Infektionen früher zu erkennen, standardisierte Hygienemaßnahmen frühzeitig anzuwenden und klinikweit gesammelte Daten in einer Lösung zusammenzuführen. Der Go-live ist für Mitte dieses Jahres geplant. Dann heißt es: „Ade Excel-Listen!“

Von Prozessen und digitalen Akten

von Norbert Neumann
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Das Klinikum Lippe, mit 1.198 Planbetten an drei Standorten eines der größten kommunalen Krankenhäuser Deutschlands, setzte in den letzten Jahren ein Projekt zur Digitalisierung und Langzeitarchivierung der Dokumentation um. Ein zentraler Punkt dabei war die forensische Güte des digitalen Archivs, die der eines konventionellen Papierarchivs gleichwertig sein sollte.

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Ein individuelles Pflegeprozessmanagement von der Stange

von Norbert Neumann
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Die FEK – Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster GmbH (FEK) legt großen Wert auf eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung und möglichst individuelle Pflege. Um das Pflegepersonal dabei bestmöglich zu unterstützen, setzt man in der Klinik auf ein IT-unterstütztes Pflegeprozessmanagement und Standards für die Basispflege. Innerhalb von rund 1 ¼ Jahren wurde die Lösung auf fast allen Abteilungen ausgerollt und erfreut sich beim Pflegepersonal steigender Beliebtheit.