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von Norbert Neumann
veröffentlicht am 10.09.2018

Wie IT-Unterstützung am Bonifatius Hospital Lingen Pflege auf höchstem Niveau ermöglicht

Über 20.000 Patienten belegen jährlich die 451 stationären Betten im Bonifatius Hospital im niedersächsischen Lingen (Ems). Ihnen allen individuelle Pflege auf qualitativ höchstem Niveau angedeihen zu lassen, ist für die stellvertretende Pflegedirektorin Christiane Neehoff-Tylla und ihre Mitarbeiter Ziel und Ansporn zugleich: „Wenn man – so wie wir – einen hohen Anspruch an die Qualität der Pflege hat, kommt man um eine umfassende IT-Unterstützung faktisch nicht herum. Individuelle Pflegepläne zu erstellen, sie umzusetzen, alles zu dokumentieren und dann auch noch die abrechnungsrelevanten Daten zu erfassen ist papiergebunden kaum möglich. Deswegen können viele Krankenhäuser – auch aufgrund des Mangels an Pflegekräften – den Pflegeprozess nicht optimal umsetzen. Wir wollten uns damit nicht zufriedengeben und haben deswegen schon frühzeitig auf IT-Unterstützung gesetzt.“

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Das Personal weiß die IT-Unterstützung zu schätzen

Personalmangel in der Pflege ist in dem Haus der Schwerpunktversorgung, das rund 50 km von der Grenze zur Niederlande entfernt ist, zwar kein bisher Thema. Trotzdem steht auch Guido Tien, der in dem Krankenhaus der Stabsstelle Pflege mit Schwerpunkt EDV zugeordnet ist, auf dem Standpunkt, dass eine umfassende, moderne IT-Ausstattung für ein Krankenhaus ein Standortvorteil ist: „Unser Personal weiß die umfassende Unterstützung durch IT sehr zu schätzen. Besonders merken wir das bei neuen Mitarbeitern aus anderen Häusern, die das in dieser Form oft nicht kennen und ein sehr positives Feedback geben.“

Im Pflegebereich sind die Vorteile durch den Einsatz eines IT-gestützten Pflegeprozessmanagements vielfältig: „Das fängt damit an, dass auf jeder Station sozusagen die gleiche Sprache gesprochen wird,“ erläutert Christiane Neehoff-Tylla. „Durch den Bezug auf die gleichen Stammdatenkataloge und Standards gibt es bei Verlegungen von Patienten keine Brüche im Pflegeprozess und der Dokumentation. Vor allem können wir so auch flächendeckend Standards wie ePA-AC oder LEP einsetzen, deren Anwendung in der Papierwelt einfach zu aufwendig wäre. Das erleichtert letztlich nicht nur die Pflegeplanung sondern erhöht zusätzlich die Qualität der individuellen Pflege.“ Auch vermeintliche Kleinigkeiten erleichtern das Arbeitsleben des Pflegepersonals: „Das beginnt bei der Möglichkeit, bereits gespeicherte Daten z.B. bei einer Wiederaufnahme einfach zu übernehmen und geht bis zu einer automatischen Generierung der PKMS-Codes auf Basis der dokumentierten Maßnahmen. Gerade Letzteres ist eine große Entlastung, handelt es sich doch um eine rein abrechnungsrelevante, nichts destotrotz aber auch sehr aufwendige Dokumentationstätigkeit.“

Papier ist geduldig – IT erinnert

Einen weiteren Vorteil der Nutzung von IT im Pflegebereich benennt Guido Tien: „Im Gegensatz zu Papier kann IT auch an bestimmte Tätigkeiten erinnern. Das gilt speziell für Abläufe, die selten benötigt werden und dem Personal deswegen nicht so vertraut sind, oder im Rahmen komplexer Prozesse wie z.B. der detaillierten Vorgehensweise bei Patienten, die multiresistente Erreger tragen. Aber auch Standardabläufe wie das Erheben einer Sturzprophylaxe oder das Einbinden des Sozialdienstes bei bestimmten Indikationen lassen sich mit IT einfach besser umsetzen, weil die Standards für das Personal transparenter sind und im Zweifelsfall auch ein offener Punkt in der Arbeitsliste daran erinnert, dass noch etwas erledigt werden muss.“

Bei aller Zufriedenheit mit den vorhandenen Möglichkeiten sehen Christiane Neehoff-Tylla und ihr Kollege allerdings durchaus noch Verbesserungspotenzial: „IT-Unterstützung umzusetzen ist eine Reise, die niemals endet. Es gibt immer wieder etwas zu verbessern. Seien es Abläufe im IT-System selber, oder neue Funktionen wie z.B. eine Erfassung von Basisdaten via App schon vor der stationären Aufnahme durch die Patienten selber“, gibt Guido Tien zu. „Aber das habe ich in all den Jahren, die wir hier mit IT arbeiten auch nie anders erlebt.“

Kontinuierlicher Ausbau seit 2006

Immerhin schon seit dem Jahr 2006 wird die IT-Unterstützung der Pflege im Krankenhausinformationssystem medico® von Cerner kontinuierlich ausgebaut. Zu diesem Zeitpunkt ging die erste Pilotstation mit LEP, Pflegebericht und der Dokumentation von Zuleitungen / Ableitungen live. Seitdem arbeiten Guido Tien und seine Kollegen kontinuierlich am Rollout und Ausbau des IT-unterstützten Pflegeprozessmanagements. Das Schema bleibt dabei immer das gleiche: „Am Anfang steht die Diskussion in Projekt- bzw. Expertengruppen. Dort werden einheitliche Standards für das gesamte Krankenhaus erarbeitet. Das ist wichtig, um die Durchgängigkeit der Prozesse und der Dokumentation im Haus zu wahren, andererseits aber auch spezielle Anforderungen zu berücksichtigen. So sind z.B. die elektronischen Kurvenblätter im gesamten Krankenhaus einheitlich, außer in bestimmten Bereichen wie der Kinderstation, wo es zusätzliche Sonderanforderungen gibt, die über den Standard hinausgehen.“ Nachdem die Anforderungen festgelegt sind, erfolgen Umsetzung und Implementierung. Dabei ist es besonders wichtig, die späteren Anwender frühzeitig einzubinden und zu begeistern. Guido Tien erläutert das Vorgehen: „Als erstes schulen wir die Multiplikatoren auf den Pilotstationen. Die Teststationen gehören zur chirurgischen bzw. inneren Abteilung. Das hat sich bewährt, weil so die meisten Anwendungsfälle zumindest grob abgedeckt werden. Nach dem Start der Anwendungen begleiten wir die Anwender auf den Pilotstationen, um bei Problemen direkt ansprechbar zu sein. Damit bleibt der Frustfaktor auch bei nicht IT-affinen Anwendern gering, weil sie unmittelbar Hilfe vor Ort bekommen. Läuft alles rund, startet der Rollout auf die übrigen Abteilungen. Die Schulung der Anwender erfolgt, sobald die Lösung auf der jeweiligen Abteilung implementiert ist, so dass sie direkt starten können.“

Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Umsetzung: Der Mensch

Für Christiane Neehoff-Tylla ist gerade der menschliche Faktor ein Schlüssel, wenn es darum geht, die Vorteile, die die IT-Anwendung bietet, zu nutzen: „Die Anwender und vor allem auch das Leitungspersonal auf den Stationen mitzunehmen und zu motivieren, ist extrem wichtig. Denn Veränderung fällt Menschen schwer. Auch bei uns gibt es Menschen, die neuen IT-Anwendungen eher skeptisch gegenüberstehen. Aber sie werden durch die motivierte Mehrheit mitgezogen. Damit das funktioniert, muss aber gerade in der Anfangsphase nach Einführung einer neuen Lösung darauf geachtet werden, dass die Menschen nicht in alte Gewohnheiten zurückkehren. Deswegen ist es so wichtig, dass die Stationsleitungen ein Auge darauf haben und ihr Team immer wieder motivieren.“

Guido Tien pflichtet ihr bei: „Wir haben gerade in den letzten Jahren viele Projekte umgesetzt: Die Umstellung auf medico Portal mit einem neuen UI, die Umstellung der Pflegedokumentation von Papier auf digital und die Einführung der elektronischen Kurve und Medikation. Das ist für die Menschen, die damit arbeiten eine echte Herausforderung, weil sie sich immer wieder auf neue Dinge einstellen müssen. Allerdings wissen unsere Anwender, dass sie unter dem Strich davon profitieren.“ Die nächsten Projekte sind bereits in der Planung. „Wir wollen noch die Medikation weiter ausrollen, bis sie im ganzen Haus verfügbar ist. Dann folgen noch die mobile Visite und Anordnung und dann ist alles auf digitale Anwendungen umgestellt.“

Am Ende profitiert der Mensch

Allerdings gilt auch in Lingen ‚nach dem Projekt ist vor dem Projekt‘. So steht nicht nur die Erneuerung der Hardware für eine bessere Performance an, sondern auch die Implementierung der mobilen Lösung medico Touch. „Wie gesagt: IT ist eine Reise, die niemals endet,“ so Guido Tien. „Aber sie trägt auch viele Früchte: Alle unsere Stationen – die älteste ist 25 Jahre alt – sind mit einem flächendeckenden WLAN ausgestattet. Das ist natürlich ein großer Vorteil, wenn es um mobile Anwendungen geht, die gerade für junge Anwender eine Selbstverständlichkeit sind.“ Die Basis für einen weiteren Ausbau ist also gelegt. Auch wenn es in manchen Bereichen für Guido Tiens Geschmack noch etwas langsam vorangeht. So wird die Arbeitsablaufsteuerung (AAS) in medico zwar bereits genutzt, um beispielsweise den Sozialdienst oder die Ernährungsberatung bei bestimmten Patienten hinzuzuziehen, aber Guido Tien würde in diesem Bereich gerne mehr umsetzen: „medico bietet sehr viele Möglichkeiten, angepasst und modifiziert zu werden. Allerdings sind unsere Ressourcen begrenzt und wir müssen Prioritäten setzen. Deswegen müssen manche Projekte – und dazu gehört vor allem das Feintuning existierender Anwendungen - leider etwas zurückstehen.“ Trotz allem kann sich die bisherige Bilanz sehen lassen, wie Christiane Neehoff-Tylla zusammenfasst: „Unser Ziel, eine qualitativ hochwertige Pflege bei gleichzeitig rechtssicherer Dokumentation anzubieten haben wir auf jeden Fall erreicht. Die Planung und Umsetzung der Pflegemaßnahmen haben sich – trotz des bisherigen hohen Standards – noch einmal verbessert, wobei gleichzeitig der Zeitaufwand für die Dokumentation geringer geworden ist. Die Dokumentation ist insgesamt transparenter, Abrechnungsdaten wie der PKMS-Score können einfacher erfasst werden und durch die Standardisierung im ganzen Haus ist die Kontinuität des Pflegeprozesses gewahrt, selbst wenn der Patient verlegt wird.“

Viel wichtiger ist ihr aber etwas anderes: „Am Ende profitiert jeder einzelne unserer jährlich über 20.000 stationären Patienten von individueller Pflege auf höchstem Niveau. Das ist für uns am Bonifatius Hospital das Wichtigste, denn wir fühlen uns dem Menschen verbunden.“