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Klinikum Fulda von oben

von Cerner Corporation
veröffentlicht am 02.10.2019

Das Klinikum Fulda führt neues System für Notbetrieb bei IT-Störungen ein

Moderne Technik erleichtert das Leben – solange sie funktioniert. Wohl jeder hat sich schon einmal über Ausfälle von Handynetz oder Internet geärgert. Was im Privatleben meist nur lästig ist, hat bei Unternehmen, deren Infrastruktur auf reibungslos funktionierende IT angewiesen ist, eine ganz andere Dimension. Speziell in hochdigitalisierten kritischen Infrastrukturen wie Krankenhäusern ist ein teilweiser oder kompletter Ausfall der IT ein Szenario, das niemand erleben möchte. Allerdings lässt es sich auch nicht komplett vermeiden.

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Für den seltenen Fall des Ausfalls vorbereitet sein

Thomas Heller, stellvertretender IT-Leiter im Klinikum Fulda, hat sich mit dem Thema Ausfallsicherheit der IT-Infrastruktur intensiv beschäftigt: „Richtig akut ist das Thema bei uns mit der Einführung der digitalen Kurve einschließlich Medikation geworden, die Ende 2017 begann. Natürlich läuft unser KIS medico® von Cerner in einer abgesicherten Hochverfügbarkeitsumgebung. Trotzdem kann es in seltenen Fällen zu Systemausfällen kommen. Dann müssen wir sicher- stellen, dass auf den Stationen die notwendigen Informationen über die Patienten und ihre aktuelle Medikation zur Verfügung stehen.“

Abgesehen von geplanten Systemstillständen, z.B. im Rahmen von Wartungsarbeiten oder Releasewechseln, stellen vor allem unvorhergesehene Ausfälle eine Herausforderung dar. „Im Wesentlichen sind es zwei Szenarien, die hier relevant sind“, erklärt Thomas Heller. „Stromausfälle und Störungen im Netzwerk.“ Um das medizinische Personal auch in solchen Fällen mit aktuellen Daten versorgen zu können, nutzte man im Klinikum Fulda bislang das Ausfallsystem von medico. Dabei werden wichtige Patientendaten stündlich aus dem KIS abgefragt und stationsweise verschlüsselt auf einer Festplatte gespeichert, die an die Notstromversorgung angeschlossen ist. Um ein Überlaufen des Speichermediums zu verhindern, werden die Datensätze regelmäßig überschrieben. „Bei einem Systemausfall kann man dann mit einer Workstation und einem Drucker, die beide ebenfalls über Notstrom versorgt werden, die Daten ausdrucken und im Haus verteilen“, erläutert Thomas Heller.

Vorhandene Druckerinfrastruktur nutzen für Notfallausdruck vor Ort

So einfach und zuverlässig diese Lösung auch ist: Im Klinikum Fulda wollte man sie noch besser gestalten. David Pütz, Produkt Marketing Manager beim Druckerhersteller KYOCERA Document Solutions, war an dem Projekt beteiligt: „Bei einem flächendeckenden Ausfall der IT bedeutet das im Zweifelsfall, dass große Mengen an Informationen zentral ausgedruckt und im Haus verteilt werden müssen. Das dauert seine Zeit und ist vergleichsweise aufwändig – vor allem nachts, wenn nur wenig Personal zur Verfügung steht, um die Ausdrucke zu verteilen oder abzuholen. Eleganter wäre es, wenn jede Station selbst ihre Ausdrucke anfertigen könnte, wofür natürlich die Daten auf eine entsprechende Hardware verteilt werden müssten. Gemeinsam mit Cerner haben wir die Idee entwickelt, die intelligenten KYOCERA Multifunktionssysteme zu nutzen, die bereits auf jeder Station vorhanden waren.“

Die Multifunktionssysteme bilden nicht nur eine eigene, vernetzte Infrastruktur im Klinikum, sondern besitzen auch jeweils eine eigene Festplatte und ein Touch Screen Display zur Bedienung. „Eigentlich ist diese Technik dazu gedacht, Standarddokumente wie z.B. Urlaubsanträge vorzuhalten, um sie schnell ausdrucken zu können“, erklärt David Pütz. „Aber grundsätzlich kann sie auch für andere Zwecke genutzt werden – wie eben den Notfalldruck.“ Um das Projekt zu realisieren, taten sich Entwickler von Cerner und KYOCERA zusammen. Während Cerner eine Anwendung entwickelte, die die relevanten Daten aus dem KIS regelmäßig extrahiert, komprimiert und an die jeweiligen Stationsdrucker sendet, realisierten die Fachleute von KYOCERA eine App, mit der die gespeicherten Daten über das Bedienfeld des Multifunktionssystems abgerufen, entschlüsselt und ausgedruckt werden können. Um den Datenschutz zu wahren, wurde auch ein Sicherungsmechanismus implementiert: „Will man die Daten ausdrucken, muss man erst eine PIN eingeben“, erläutert David Pütz. „Damit ist sichergestellt, dass sensible Daten nicht unbemerkt abgerufen werden und das diensthabende Pflegepersonal die Informationen im Notfall trotzdem ohne Verzögerung ausdrucken kann. Um die notwendige Datensicherheit zu gewährleisten, werden die Daten darüber hinaus grundsätzlich nach ISO 15408 verschlüsselt auf der Festplatte vorgehalten.“

Redundantes Backup: aktuell und gegen unbefugten Zugriff gesichert

Thomas Heller ergänzt: „Im Grunde funktioniert die Anwendung wie das Notfallsystem in medico: Jede Stunde wird ein verschlüsseltes Backup der wichtigsten Patientendaten erstellt und gespeichert. Nur erfolgt die Datensicherung eben nicht mehr zentral, sondern dort, wo die Daten im Notfall gebraucht werden.“ Damit das Konzept funktioniert, muss lediglich sichergestellt sein, dass der jeweilige Drucker an die Notstromversorgung angeschlossen ist. „Um einem möglichen Datenverlust entgegenzuwirken, werden die Backups der letzten fünf Stunden auf der Druckerfestplatte gespeichert, bevor sie überschrieben werden“, erklärt Thomas Heller. „Außerdem hat das Stationspersonal die Möglichkeit, entweder den kompletten Datensatz für jeden Patienten oder nur die Medikationsdaten auszudrucken.“ Je nach Abteilung können Patientenakten einen erheblichen Umfang haben. „Bei einem kurzen Ausfall ist es oft nicht notwendig, Zugriff auf die komplette Patientenakte zu haben“, so Heller. „Deswegen gibt es auch die Option, nur die Medikationsdaten auszudrucken, was schneller geht und für die laufende Therapie oft relevanter ist.“ David Pütz bestätigt: „Im Praxiseinsatz wird sich nun sicher noch etwas Optimierungspotenzial zeigen. Aber die Grundfunktionalität steht und kann genutzt werden.“ Eine ausführliche Testphase auf einer Pilotstation hat das Notfalldrucksystem in Fulda bereits erfolgreich bestanden, kann Thomas Heller berichten: „Jetzt nehmen wir letzte Feinarbeiten vor und bereiten den Rollout vor.“

Einfache Implementierung – kein Schulungsaufwand

Viel Aufwand macht das nicht. „Die notwendige Applikation kann zentral auf die Drucker aufgespielt werden. Die entsprechenden Änderungen in medico sind ja schon erfolgt.“ Und auch der Schulungsaufwand für das Personal ist laut Thomas Heller minimal: „Das Pflegepersonal auf der Station muss nur wissen, dass es ein paar Knöpfe mehr im Druckermenü gibt und wo die PIN zu finden ist. Dafür brauchen wir keine aufwendige Schulung, sondern verteilen einfach Infoflyer. Eine schriftliche Information, die auf der Station zugänglich ist, macht auch deswegen mehr Sinn, weil ein Systemausfall ein wirklich sehr, sehr seltenes Ereignis ist. Darum ist es auch wichtig, dass die Bedienung des Notfallsystems möglichst selbsterklärend ist. Und das ist der Fall: PIN eingeben, Knopf drücken, fertig.“ Auch wenn zu hoffen bleibt, dass der Einsatz des Notfalldrucks in Fulda nie notwendig sein wird, müssen Mitarbeiter und Patienten sich jetzt noch weniger Gedanken darüber machen, was passiert, wenn die Technik, die das Leben im Klinikum leichter macht, einmal nicht zur Verfügung steht.

Foto: © Klinikum Fulda