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von Cerner Corporation
veröffentlicht am 14.05.2020

Am ukb Berlin denkt man digital, mobil – und weit voraus

„Mobility im Krankenhaus hat viele Aspekte: In erster Linie ist es eine Frage der Effizienz, wenn Daten dort eingesehen oder dokumentiert werden können, wo sie auch benötigt oder erhoben werden. Aber auch Nachwuchsgewinnung und Image sind Aspekte, die man nicht unberücksichtigt lassen sollte. Die Generation der Digital Natives ist es gewohnt, mit mobilen Anwendungen zu arbeiten. Wenn man das als Arbeitgeber nicht bieten kann, ist das in einem ohnehin schon angespannten Personalmarkt ein unnötiger Nachteil. Und auch die Patienten erwarten in einem modernen Krankenhaus eine moderne IT-Infrastruktur. Wenn man Spitzenmedizin macht, aber noch auf Papier dokumentiert, ist das eine Diskrepanz, die Patienten durchaus wahrnehmen und bei der sie sich fragen, ob sie wirklich bestmöglich versorgt werden.“

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Digitalisierung und Mobilität: Im ukb schon lange zuhause

Heiko Hauptmann, Leiter IT / Medizintechnik am ukb Berlin, weiß wovon er redet. Im Laufe seines Berufslebens hat er die unterschiedlichen Facetten der Healthcare-IT sowohl aus Sicht der Hersteller als auch durch die Brille der Anwender umfassend kennengelernt. Für ihn und die Leitungsebene des ukb war bereits vor über 20 Jahren Jahren klar, dass an einer Digitalisierung und der Implementierung mobiler Lösungen im Gesundheitswesen kein Weg vorbeiführt. Entsprechend wurden die Digitalisierung und die Implementierung von Lösungen wie der mobilen Visite schon frühzeitig vorangetrieben. „Für das medizinische Personal ist es eine enorme Arbeitserleichterung, wenn Daten quasi überall im Krankenhaus verfügbar sind, bzw. dokumentiert werden können. Ärzte und Pflegepersonal sind vor allem im stationären Bereich ständig unterwegs und bei den Patienten am Bett. Die dort erhobenen Daten müssen ohne mobile Lösung irgendwo notiert und später nochmal in die IT eingegeben werden – das kostet Zeit und birgt das Risiko von Übertragungsfehlern. Ärzte stehen zusätzlich vor der Herausforderung, dass es ihnen immer wieder passiert, dass sie irgendwo im Haus unterwegs oder in der Ambulanz tätig sind und bezüglich eines Patienten von der Station Rückfragen erhalten. Sei es, dass es noch eine allgemeine Frage zu einer Anweisung gibt oder sich der Zustand eines Patienten so verändert hat, dass eine sofortige ärztliche Intervention notwendig ist. Wenn der Arzt nicht gerade an einem Rechner mit Zugriff auf das KIS sitzt, kann er nur auf die Informationen zurückgreifen, die er im Kopf hat, bzw. die ihm das Pflegepersonal telefonisch durchgibt. Das ist ebenfalls aufwendig und ineffizient. Mit unserer mobilen Lösung medico Touch® ist das KIS sozusagen immer in der Kitteltasche. Ein wichtiges Kriterium dabei ist der Datenschutz: medico Touch ist so konzipiert, dass keinerlei Patientendaten auf dem Mobilgerät gespeichert sind. Stattdessen werden die Informationen direkt ins KIS transferiert, bzw. von dort bezogen. Das ist ein wichtiger Sicherheitsmechanismus, weil Mobilgeräte wie die iPads, die wir hier nutzen, leicht mitgenommen werden können. Der Vorteil von medico Touch ist, dass in einem solchen Fall keine Daten das Krankenhaus verlassen: Das ist ein zusätzlicher Sicherheitsaspekt.“

Mobile Anwendungen haben ihre eigenen Anforderungen

Die von Heiko Hauptmann grob umrissenen Anwendungsmöglichkeiten zeigen allerdings, dass es nicht trivial ist, praktikable mobile Lösungen zu entwickeln und zu implementieren. Neben verschiedenen Anwendungsszenarien gibt es unzählige Kleinigkeiten bei der Nutzung im Arbeitsalltag zu beachten. Für den IT-Spezialisten sind es gerade die Details, die einen Großteil des Erfolgs und der Akzeptanz einer IT-Lösung ausmachen: „Sie können eine noch so ausgereifte Lösung haben: Wenn sie sich nicht reibungslos in den Arbeitsalltag einfügt und leicht bedienbar ist, werden Sie sich schwertun, Akzeptanz seitens des Personals zu erreichen. Und als ITler sieht man viele Dinge ganz anders als das medizinische Personal, das mit einer Lösung arbeiten muss. So etwas bekommen Sie aber nur im Rahmen einer ausführlichen Testphase heraus.“ Das ukb einigte sich mit dem IT-Dienstleister Cerner auf eine mehrmonatige Teststellung von medico Touch, um die Lösung in der Praxis auf Herz und Nieren prüfen zu können.

 

 

Eine ausführliche Testphase erleichtert den späteren Rollout

Das begann mit der Frage, welches Mobilgerät genutzt werden sollte: „Am iPad führt da aktuell allein aus Sicherheitsgründen kein Weg vorbei. Allerdings stellte sich die Frage, ob das größere iPad oder das iPad mini sich im Alltag bewähren würde. Zu unserer Überraschung wurde das kleinere Gerät eindeutig bevorzugt, weil die Eingaben – auch aufgrund des speziellen Oberflächendesigns von medico Touch – sich auf ein Minimum beschränken und die bessere Transportabilität des iPad mini den Ausschlag gab. Das Personal empfand es als angenehm, das Gerät einfach in die Tasche stecken zu können und so die Hände frei zu haben.“

Ein anderer Punkt, der sich im praktischen Einsatz als überraschend relevant herauskristallisierte, war die Frage, wo die Ladeinfrastruktur positioniert und welche Halterung genutzt werden sollte. „Das klingt vielleicht perfektionistisch“, gibt Heiko Hauptmann zu. „Tatsächlich sind es aber relevante Fragen, wenn es um die dauerhafte Nutzung geht. Das Pflegepersonal benötigt aktuell keine persönlichen Geräte. Das heißt, dass wir ein oder zwei iPad minis auf einer Station haben, die sich das Personal teilt. Dazu muss einerseits ein leichter Zugriff, andererseits aber auch ein Diebstahlschutz vorhanden sein. Tatsächlich gab es hier einige Diskussionen und Überlegungen.“

Die dreimonatige Teststellung diente nicht nur der Überprüfung der Praxistauglichkeit und dem Ausprobieren verschiedener Konfigurationen. Vielmehr ging es auch darum, ein möglichst standardisiertes Paket in Hinblick auf einen späteren Rollout der Lösung zu entwickeln. „Rückblickend hat uns das bei der späteren Implementierung viel Arbeit und den Anwendern viel Ärger erspart“, fasst Heiko Hauptmann zusammen. „Letztlich konnten wir medico Touch problemlos innerhalb von vier Wochen komplett im ganzen Haus ausrollen.“

Positives Feedback zum mobilen Arbeiten mit medico Touch

Dass der Aufwand gerechtfertigt war, zeigt auch das sehr positive Feedback der Anwender: „Was sehr positiv auffiel war die flächendeckende Konnektivität im WLAN. Hier haben sich die Vorarbeiten beim Aufbau der Infrastruktur bezahlt gemacht“, erläutert der IT-Leiter. „Hinsichtlich der Funktionen hat das Pflegepersonal vor allem die Fotofunktion als große Arbeitserleichterung wahrgenommen: Man kann mit dem iPad mini z.B. einen Patienten aufrufen und mit der eingebauten Kamera direkt eine Wundaufnahme erstellen, die dann automatisch in seiner digitalen Akte dokumentiert ist. Früher benötigte man dazu eine separate Kamera und musste einen Barcode scannen, um den Patienten zu identifizieren. Unsere Ärzte waren vor allem begeistert davon, dass sie überall lesenden Zugriff auf die Patientenakten haben. Mit medico Touch können sie jetzt am Point of Care deutlich besser arbeiten.“

Gut für Anwender und IT: Intuitive Bedienbarkeit

Ein weiterer Punkt, der nicht nur die Anwender, sondern auch das IT-Personal besonders freut, ist die intuitive Bedienbarkeit von medico Touch: „Sie benötigen keine aufwendige Schulung. Im Grunde drücken Sie dem Anwender das iPad mini mit medico Touch in die Hand, geben eine kurze Einweisung und der Rest kommt von selbst. Das macht es für das medizinische Personal einfacher, damit zu arbeiten, und uns von der IT spart es neben der Organisation von Schulungen auch viel Aufwand bei der Betreuung der Anwender.“ Das ist umso wichtiger, als dass die Implementierung von medico Touch nur der erste Schritt ist. Mittel- bis langfristig sollen weitere mobile Anwendungen auf den Geräten installiert werden und dem Personal die Arbeit erleichtern.

Heiko Hauptmann fasst die Pläne zusammen: „Dass medico Touch auf einer so universellen Plattform wie einem iPad mini läuft, ist ein zusätzlicher Pluspunkt. Aktuell haben wir für Pflege und ärztliches Personal etwa 44 Geräte im Einsatz – zum größten Teil noch kollektiv. Bei der Pflege wird sich daran zunächst nichts ändern, weil hier in Hinblick auf die Anwendungsszenarien, wie Vitalwerterfassung, Dokumentation der Durchführung von Pflegemaßnahmen etc., individuelle Geräte noch nicht sinnvoll sind. Anders sieht es bei den Ärzten aus. Hier wollen wir den Bestand individueller Geräte zügig erweitern, weil diese Personengruppe nicht nur auf den Stationen unterwegs ist, sondern auch in Funktionsbereichen, Ambulanzen etc. Parallel zur Erweiterung des Gerätebestands sollen auch weitere mobile Anwendungen aufgespielt werden. Über das Mobile-Device-Management geht das zentral und unkompliziert. Eine Anwendung, die wir gerade planen, ist ein Messenger-Dienst. Dabei soll es möglich sein, Einträge in einer Patientenakte zu verlinken und intern zu verschicken. Das ist zum Beispiel dann sinnvoll, wenn es Rückfragen zu einem Patienten gibt und man sich auf Befunde oder Laborwerte bezieht. Man kann sie dann direkt verknüpfen und dem Gesprächspartner direkt zeigen, worauf man sich bezieht.“

medico Touch ist erst der Anfang

Für Heiko Hauptmann sind mobile Anwendungen wie medico Touch ein wichtiger Meilenstein bei der Schaffung einer digitalen Infrastruktur im Gesundheitswesen: „Es geht nicht nur darum, dem Personal möglichst passende und individuelle Lösungen und Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen. Was viele verkennen: Digitales Arbeiten bedeutet nicht, Papier in PDF-Dokumente umzuwandeln, sondern Daten so verfügbar zu haben, dass man damit arbeiten kann. Dazu müssen Daten in der geeigneten Form erhoben und dokumentiert werden, damit sich ein Pool aus Informationen ergibt, der dann zum Beispiel Grundlage für Forschungsarbeit sein kann. Überlegen Sie, wie viele Informationen über Krankheitsverläufe in medizinischen Archiven schlummern. Wenn Sie auf all dieses Wissen zugreifen und es statistisch auswerten, Zusammenhänge erkennen und verstehen können, wird unser Verständnis von Krankheiten besser und wir können in einem zweiten Schritt bessere und individuellere Therapien entwickeln.“

Mobile Anwendungen erleichtern also nicht nur das Arbeitsleben des medizinischen Personals und machen die Patientenversorgung effizienter. Vielmehr leisten sie durch bessere Datenerhebung und -verfügbarkeit auch einen Beitrag dazu, die medizinische Forschung voranzubringen. Das ukb war und ist bei dieser Entwicklung ganz vorne mit dabei.

Fotos: © Cerner