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von Norbert Neumann
veröffentlicht am 11.05.2016

Vor mehr als 35 Jahren, 1979, gründeten drei Software-Spezialisten in Kansas City ein Startup. „Cerner“, wie sie Ihre Firma schließlich nannten, war zunächst spezialisiert auf Laborlösungen. Bald jedoch weitete das Unternehmen seine Tätigkeit aus und gehört heute mit mehr als 22.000 Mitarbeitern und einem breiten Portfolio zu den weltgrößten Herstellern von Healthcare-IT.

Ist eine detaillierte Hygienelösung für einen großen Software-Anbieter überhaupt interessant?

Ist für einen solchen Riesen das Thema Hygiene überhaupt von Belang? Und wenn ja: Ist mehr als eine Standardlösung zu erwarten?

Um diese Fragen beantworten zu können, muss man zunächst die Philosophie verstehen, die in der Unternehmenskultur von Cerner fest verankert ist: Cerner entstand aus dem Gedanken heraus, das Gesundheitswesen durch gezielten Einsatz von IT-Lösungen zusammen mit den Kunden nachhaltig zu verbessern. Im Laufe seiner Firmengeschichte ist das Unternehmen kontinuierlich gewachsen, dabei aber immer seiner Linie treu geblieben, ein Spezialanbieter für Healthcare-IT zu sein.

In Deutschland treten pro Jahr zwischen 500.000 und 800.000 nosokomiale Infektionen auf, darunter 60.000 Infektionen auf Intensivstationen und 128.000 postoperative Wundinfektionen* . Andere Statistiken liefern teilweise noch höhere Zahlen und wagen Aussagen über erneut steigende Sterblichkeitsraten aufgrund derartiger Ereignisse. Unabhängig davon bleibt aber unter dem Strich die Erkenntnis, dass nosokomiale Infektionen in hohem Maße die Patienten schädigen und gleichzeitig die Gesundheitsversorgung verteuern.

Hygienefachleute kämpfen gegen Zeit und Statistik

Sicher lassen sich viele dieser Ereignisse auch durch optimale Hygiene nicht verhindern. Ein Großteil der Patienten bringt die Erreger, die eine nosokomiale Infektion auslösen, schon mit. Und auch multiresistente Erreger spielen in der Praxis (noch) nicht die herausgehobene Rolle, die die Laienpresse ihnen gerne zuspricht.

Die Herausforderung liegt vielmehr darin, Infektionen möglichst frühzeitig zu erkennen und entsprechend schnell zu reagieren. Hygienemaßnahmen mögen vermeiden, dass Erreger weitergetragen werden. Ganz verhindern können sie einen Ausbruch allerdings nicht. Immer wieder schleichen sich im Routinebetrieb alte Gewohnheiten und Fehler beim Personal ein, Kleinigkeiten, die eine Übertragung von Krankheitserregern doch ermöglichen.

Das Hygienepersonal tut mit Begehungen, der Dokumentation und Auswertung von Daten über nosokomiale Infektionen sein Bestes, um Infektionsschwerpunkte zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Allein, es ist ein Spiel gegen die Zeit und gegen die Statistik.

Erlangt der Hygieniker Kenntnis über eine Infektion in einem Bereich, ist er im Grunde genommen schon einen Schritt zu spät gekommen. Er kann nicht mehr präventiv handeln, sondern läuft dem Ereignis hinterher. Jetzt geht es darum, möglichst schnell handeln zu können, gezielt Maßnahmen zu ergreifen und vor allem: Auch dem betroffenen Personal Informationen zu geben, was getan werden soll.

Eine andere Herausforderung: Wie erkennt das Hygienepersonal, dass sich ein Infektionsschwerpunkt im Krankenhaus bildet, bevor ein Erreger sich schon weiter verbreitet hat? Denn je früher erkannt wird, dass eine Häufung von Infektionen in einem Bereich auftritt, desto leichter die Eindämmung, wenn – wir wissen es schon – Gegenmaßnahmen schnell ergriffen werden sollten. Vielleicht ist die Ursache ja nicht ein hoch kontagiöser Erreger, sondern schlicht mangelhaft ausgeführte Hygiene? Begehungen sind sicher ein adäquates Mittel zur Prävention. Aber sie gleichen eher dem Streifengang eines Polizisten, wo eine Zielfahndung erfolgversprechender ist.

Mehr Informationen, schnellere Auswertung und zeitnahe Reaktion durch gezielten IT-Einsatz

Und genau an dieser Stelle kommt die IT ins Spiel. Mit elektronischer Datenverarbeitung gelingen statistische Auswertungen großer Datenmengen wesentlich schneller und gezielter. Nutzt der Hygieniker entsprechende Parameter und Algorithmen, bekommt er nicht nur einen besseren Überblick über den Verlauf von Infektionsraten in bestimmten Bereichen des Krankenhauses. Er kann auch gezielt nach ersten Anzeichen von Infektionen suchen. Gerade bei vergleichsweise seltenen, aber gefährlichen Erkrankungen wie einer Sepsis kann der frühe Verdacht das Leben des Patienten retten. Bei vielen anderen Infektionen profitieren der Patient von einem milderen Verlauf und das Krankenhaus von geringeren Behandlungskosten.

Auch die Information des Personals in betroffenen Bereichen lässt sich mit IT beschleunigen. Ob es vorgehaltene Verhaltensrichtlinien sind oder Verlinkungen auf entsprechende Websites: Jeder von uns hat schon die Erfahrung gemacht, dass man auf elektronischem Weg Informationen wesentlich einfacher und schneller mit einem Adressatenkreis teilen kann, als über Papier oder persönliche Informationen – gerade, wenn die betroffenen Personen auch noch in einem Schichtsystem arbeiten und eventuell mehrere Bereiche betroffen sind.

Hygienemanagement ist mehr als eine Standard-IT-Lösung

Um auf die eingangs gestellten Fragen zurückzukommen: Deswegen interessieren wir bei Cerner uns für Hygiene. Und deswegen geben wir uns auch nicht mit Standardlösungen zufrieden, sondern suchen nach Wegen, es dem Hygienepersonal zu ermöglichen, möglichst frühzeitig zu reagieren oder gar präventiv tätig zu sein.

Wobei IT-Lösungen nur eine Seite der Medaille ist. Die andere ist ein beständiger fachlicher Austausch – sowohl zwischen Hygienikern untereinander als auch zwischen Hygienespezialisten und Cerner. Denn nur so werden wir alle zusammen unser eigentliches Ziel erreichen: Das Gesundheitswesen weiter nach vorne zu bringen und die Versorgung von Patienten zu verbessern.

Das ist der Grund, warum wir nicht nur unsere IT-Lösungen weiter entwickeln, sondern auch Wert darauf legen, eine Basis für einen fachlichen Austausch zu bieten: Durch diesen Newsletter, Veranstaltungen und auch eine unabhängige Webplattform, die derzeit aufgebaut wird.

*Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 8, Nosokomiale Infektionen