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von Norbert Neumann
veröffentlicht am 27.09.2017

Die Gesundheitsversorgung in Deutschland gehört zu den besten Systemen weltweit. Doch die Herausforderungen wachsen: die Bevölkerung wird älter, chronische Erkrankungen nehmen zu. Gleichzeitig herrscht im Gesundheitswesen ein Mangel an Personal und die Leistungserbringer kämpfen mit beständigem Kostendruck und Sparmaßnahmen. Kurzum: Es besteht Handlungsbedarf. Um die Gesundheitsversorgung in ein neues Zeitalter zu geleiten, werden in Deutschland Themen diskutiert, die auch in anderen Ländern im Kontext von Population Health Management vorangetrieben werden. Sei es Integrierte Versorgung, bessere Versorgungssteuerung, die Prävention und Früherkennung von Krankheiten oder die stärkere Einbindung von Patienten.

Um all das umzusetzen, braucht es unter anderem auch smarte IT-Systeme, die die Zusammenarbeit aller Gesundheitsversorger unterstützen und den Behandelnden ein vollständiges Bild vom Patienten geben. Aber nicht nur das. Die Informationen müssen in Wissen umgewandelt werden, das die Behandelnden in ihren Entscheidungen unterstützt. Darin liegt das große Potential von Population Health Management.

Die Verbesserung der Gesundheit des einzelnen Bürgers und der ganzen Bevölkerung

Bei Population Health Management geht es - kurz gesagt - um die Verbesserung der Gesundheit des einzelnen Bürgers, während gleichzeitig durch die Summe der Informationen über viele Einzelne eine gesamtheitliche Gesundheitsverbesserung der Bevölkerung oder bestimmter Teile der Bevölkerung angestrebt wird. Der IT beziehungsweise dem Vorliegen von strukturierten, digitalen Daten kommt dabei eine Schlüsselfunktion zu. Nur so lässt sich ein Wandel von reaktiver Versorgung hin zu proaktiver Vorsorge, von fragmentierter Behandlung hin zu ganzheitlicher Versorgungssteuerung und Planung einleiten.

IT als Treiber für den Wandel

Mit der HealtheIntent-Plattform haben wir bei Cerner eine speziell für diesen Zweck aufgebaute Architektur entwickelt, die wir kontinuierlich anhand der in der Praxis erworbenen Erfahrungen verbessern. Unser Fokus liegt zunächst auf der Datenaggregation aus unterschiedlichen komplexen Gesundheitssystemen und das nahezu in Echtzeit, um in darauf aufbauend Behandlungsprogramme und vorausschauende Algorithmen ausführen zu können, die jeweils den richtigen Akteuren die nächsten Behandlungsempfehlungen vorschlagen. Unserer Meinung nach ist das entscheidend für den Erfolg von Population Health, da es ein Wechsel von einer reaktiven Patientenversorgung hin zu einem präventiv ausgerichteten Gesundheitssystem ist.

Unsere Herangehensweise basiert auf drei Punkten:

  1. VERSTEHEN, welche Gesundheitsprobleme und -entwicklungen in einer Population bestehen und welche Folgen daraus entstehen können.
  2. EINBINDEN, indem Menschen, ihre Familien und Leistungserbringer miteinander Maßnahmen planen und koordiniert durchführen.
  3. MANAGEN von Diagnostik und Therapie auf Basis von Best Practices, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der betrachteten Population zu verbessern.
  4. Bei diesem Ansatz geht es nicht nur darum, Kosten zu sparen und Ineffizienzen zu vermeiden, sondern vor allem um die Prävention von Komplikationen durch eine verbesserte Behandlungsqualität. Das könnte beispielsweise durch die Anwendung der oben beschriebenen Technologien für eine verbesserte Entscheidungsfindung in der Patientenbetreuung geschehen, um damit eine Reduzierung von stationären Aufnahmen und Wiederaufnahmen sowie die Optimierung von Übergaben zwischen Leistungserbringern im Rahmen einer besseren Verzahnung von stationärer und ambulanter Behandlung zu erreichen.

Bei weitem keine Zukunftsmusik ...

Dieser Entwicklung voranschreitend ist Cerner bereits dabei, sein PopulationHealth-Portfolio in mehrere Länder auszuweiten. Neben vielen erfolgreichen Installationen in den USA hat Cerner die Lösung HealtheIntent nun auch bei einem ersten Kunden im Vereinigten Königreich für die Bevölkerung des Verwaltungsbezirks Wirral implementiert, um hier neue Versorgungsmodelle einzuführen. Und dieses Jahr werden noch weitere Kunden folgen. 2017 plant Cerner, die Lösung in weiteren europäischen Märkten sowie in Kanada, im Mittleren Osten und in Australien zu etablieren.

Die digitale Reise hat gerade erst begonnen

Begibt man sich auf die Suche nach Lösungen für die drängenden Probleme im Gesundheitswesen, findet man sich gerade erst am Anfang einer digitalen Reise wieder, die das Ziel hat, mit Hilfe von smarten IT-Systemen digitalisierte Informationen aus verschiedenen Quellen zu sammeln, zu strukturieren und dann als konkretes Wissen bereitzustellen, das dazu dient, die Versorgungsqualität auf individueller und kollektiver Ebene zu verbessern. Letztlich liegt die Zukunft der Gesundheitsversorgung in einem ganzheitlichen Versorgungsmanagement. Und diese Zukunft hat bereits begonnen.

Präventiv orientierte Behandlung chronischer Erkrankungen in Großbritannien

Die Region Wirral als Beispiel für die erfolgreiche Einführung von Population Health Management

Die Halbinsel Wirral, in unmittelbarer Nachbarschaft Liverpools gelegen, ist eine der innovativsten Gesundheitsregionen Großbritanniens. Bereits Ende der 1990er Jahre startete man mit der Einführung elektronischer Patientenakten.

Im Jahr 2013 begann man damit, im Rahmen der „Vision 2018“ – heute als „Healthy Wirral“ bekannt – die Versorgung chronisch kranker Menschen zu verbessern, da man unter anderem erkannte, dass diese Patienten oft Krankenhausaufenthalte in Anspruch nahmen, die bei einer engmaschigeren Betreuung vermeidbar gewesen wären.

Deswegen entwickelte man eine patientenzentrierte, auf Prävention ausgerichtete Behandlungsstruktur, die zum Ziel hatte, die einzelnen Gesundheitsdienstleister besser miteinander zu koordinieren, ihnen aktuelle Gesundheitsdaten zur Verfügung zu stellen und ihnen so auch die Möglichkeit zu geben, Veränderungen im Gesundheitszustand ihrer Patienten frühzeitiger zu erkennen.

Innerhalb kurzer Zeit wurde mit Hilfe von Cerner der Wirral Care Record implementiert, eine elektronische Akte, die Zugriff auf Daten aus den Patientenakten aller beteiligter Organisationen gewährt. Im primären Ausbaustadium konzentrierte man sich auf fünf Bereiche: Diabetes bei Erwachsenen, Diabetes bei Kindern, Asthma bei Erwachsenen, Asthma bei Kindern und chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen. In weiteren Ausbaustufen soll das Projekt auf psychische Erkrankungen sowie Wellness und Fitness als präventive Programme ausgeweitet werden.

Im Resultat gilt Wirral heute mit seinem PopulationHealth-Ansatz als führend und als Pionier, der mit seinen Erfahrungen zum Aufbau ähnlicher Projekte in anderen Regionen, gefördert durch den NHS, beiträgt.

 

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